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Messerattacken, Morde und SEK-Einsätze - TATORT Elsenfeld

21.06.2026, 06:00 Uhr in PrimaSonntag
KW25 Collage Elsenfeld

ELSENFELD (acm). Es war eine Schock-Nachricht vergangenes Wochenende: Eine Frau wird am Elsenfelder Bahnhof mit einem Messer angegriffen, kurz darauf stirbt sie im Krankenhaus an ihren Verletzungen. Unter Verdacht: ein junger Afghane. Das Opfer: seine Schwiegermutter. Erst zwei Wochen vorher gab es bereits einen Messer-Vorfall am selben Ort: Ein 17 Jahre alter Ukrainer soll einen älteren Mann im Gesicht verletzt haben. In den vergangenen Jahren taucht der Ort immer wieder in Polizeimeldungen auf, die erschüttern: Messerangriffe, Tötungsdelikte, SEK-Einsätze, Waffen. Und immer wieder die Frage: Was ist los in Elsenfeld?

Elsenfeld, fünf Tage nach der Bluttat: Am Bahnhof herrscht gewohntes Pendler-Treiben – Menschen warten auf ihren Zug, steigen um oder fahren mit ihren Fahrrädern durch die Unterführung. Genau hier wurde eine 60 Jahre alte Frau so schwer verletzt, dass sie wenig später im Krankenhaus starb. Am Ort des Geschehens treffen unsere Reporter zwei junge Männer, die sagen, sie hätten Opfer und Tatverdächtigen gekannt. Sie stehen nur wenige Meter von der Stelle entfernt, an der die Bluttat passiert sein soll. Sie sprechen ruhig, aber ihre Worte haben Gewicht. Nach ihrer Darstellung habe es in der Familie schon länger Probleme gegeben. Von Streit, Trennung und einer angespannten Vorgeschichte ist die Rede. Im Umfeld des Opfers wird viel gesprochen, viel vermutet, viel rekonstruiert. Doch offiziell bestätigt ist ein Motiv bislang nicht. Fest steht: Die Frau wurde schwer verletzt aufgefunden und starb kurze Zeit später im Krankenhaus. Der Tatverdächtige stellte sich nach der Tat der Polizei. Inzwischen sitzt der 27-Jährige in Untersuchungshaft. Gegen ihn besteht dringender Mordverdacht.

Sicherheitsgefühl erhöhen

Dass es am Bahnhof in Elsenfeld immer wieder zu Straftaten kommt, ist auch Bürgermeister Kai Hohmann bewusst: „Es fängt an bei Vandalismus, bei kleineren Sachbeschädigungen, aber es geht dann auch über zu Prügeleien und vor wenigen Wochen gab es ja schon mal eine Verletzung mit einem Messer. Das liegt auch wahrscheinlich daran, dass da viele Menschen sind. Der Bahnhof ist so ein kleiner Dreh- und Angelpunkt in Elsenfeld, wo sehr viele Leute aufeinandertreffen.“ Für den Rathauschef ist eins klar: Für mehr Sicherheitsgefühl sorgen. Ein erster Schritt war laut Hohmann die Beleuchtung: „Der Bahnhof war lange Zeit sehr, sehr dunkel. Wir haben ihn jetzt saniert. Das große Ziel ist es aber immer noch, dort auch eine Videoüberwachung einzuführen, die bis dato leider noch nicht möglich war. Da sträuben sich die Behörden, die dafür zuständig sind, die Landespolizei oder auch die Bundespolizei.“ Auf PrimaSonntag-Nachfrage hat sich das Polizeipräsidium Unterfranken dazu geäußert. Eine öffentliche Videoüberwachung sei in Deutschland aufgrund des massiven Eingriffs in das allgemeine Persönlichkeitsrecht streng geregelt: „Sie ist nur zulässig, wenn andere mildere Mittel nicht ausreichen und die Maßnahme durch Gesetze explizit gerechtfertigt ist.“ Weiterhin heißt es von der Polizei, dass schon beim Bahnhofs-Umbau 2025 eine Videoüberwachung in Erwägung gezogen wurde. Scheinbar waren dort aber die rechtlichen Grundlagen aber nicht gegeben.

KW25 Elsenfeld Buergermeister Kai Hohmann
Kai Hohmann will für mehr Sicherheitsgefühl sorgen.

Keine Hinweise auf Zusammenhang

Die Polizei versucht unterdessen, die Lage einzuordnen. Nach aktuellem Stand gebe es keine Hinweise darauf, dass die jüngsten Vorfälle in Elsenfeld miteinander zusammenhängen. „In den meisten Fällen ergaben sich zudem Hinweise auf bereits bestehende Kenn- bzw. Näheverhältnisse zwischen den beteiligten Personen“, sagt Polizei-Pressesprecher Philipp Hümmer. Trotzdem weiß auch das Polizeipräsidium Unterfranken, dass solche Schlagzeilen etwas mit einem Ort machen: „Uns ist bewusst, dass die jüngsten Ereignisse in Elsenfeld und im Landkreis Miltenberg das Sicherheitsgefühl natürlich beeinträchtigen können. Das nehmen wir sehr ernst.“ Die Polizeiinspektion Obernburg habe die Lage im Blick und richte ihre Streifentätigkeit fortlaufend an den Erkenntnissen aus. Weiter sagt Hümmer: „Die Menschen vor Ort werden weiterhin eine sichtbare Polizeipräsenz im öffentlichen Raum wahrnehmen können.“ Für manche ist das aber noch nicht genug. Bahnhofspendlerin Lara Gücer sagt: „Die brauchen hier Sicherheitsleute, auf jeden Fall. Seit Anfang Mai fahre ich hier regelmäßig Zug und seitdem habe ich nur einmal Sicherheitsleute gesehen.“

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Polizei-Pressesprecher Philipp Hümmer / Foto: PP Ufr

Die dunkle Chronik von Elsenfeld

Die tödliche Messerattacke ist nicht der erste schwere Fall, der Elsenfeld erschüttert. Im Juli 2024 wurde ein 68 Jahre alter Mann tot in einem Wohnhaus gefunden, tatverdächtig war sein damals 40 Jahre alter Sohn. Zwei Jahre vorher wurde eine 82 Jahre alte pflegebedürftige Frau tot in ihrer Wohnung gefunden. Ihre Tochter wurde später vom Landgericht Aschaffenburg zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Auch der Bahnhof taucht immer wieder in Polizeimeldungen auf: 2021 wurde dort ein 16-Jähriger von zwei Jugendlichen mit einem Messer bedroht und ausgeraubt, die Beute damals: fünf Euro. Im Februar 2025 pöbelte ein betrunkener Mann wiederholt am Bahnhof herum, beleidigte Passanten und griff Polizisten an. Eine Beamtin wurde verletzt, der Mann kam später in Untersuchungshaft. Im März 2025 rückte in Elsenfeld das SEK an, weil sich ein Mann gegen einen Haftbefehl wehrte, Polizisten mit einer echt aussehenden Softair-Pistole bedrohte und sich in seiner Wohnung verschanzte. Monate später fiel das Urteil gegen einen Elsenfelder, bei dem Beamte unter anderem eine Armbrust, eine Machete und mehrere Messer gefunden hatten. Für Bürgermeister Kai Hohmann ist deshalb klar: „Wir wissen schon, dass wir da einen ganz sensiblen Bereich haben.“ Trotzdem will er Elsenfeld nicht als gefährlichen Ort stehen lassen: „Grundsätzlich denke ich, dass man jetzt keine Angst haben muss, um Gottes Willen, sich hier in Elsenfeld zu bewegen.“ Aber die Sorgen nach zwei Messerfällen in kurzer Zeit lassen sich auch nicht einfach wegreden. 

Das sagen Pendler und Anwohner

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Rico Geiko-Hefner aus Collenberg
„Nachdem hier auch im Umkreis in Aschaffenburg vor kurzem etwas passiert ist, fühlt man sich schon unsicher. Also ich gehe hier zum Elsenfelder Bahnhof, weil ich muss. Aber eigentlich will ich nicht hier sein. Ich kenne auch einige hier, die sagen, die gehen nicht mehr so gern zum Bahnhof.”
Rico Geiko-Hefner aus Collenberg
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Anas Sheikh Mohammad aus Obernburg
„Ich habe gehört, was passiert ist, das war sehr schlimm. Ich habe jetzt auch ein bisschen Angst hier am Bahnhof. Ich hoffe, dass hier nichts mehr passiert.”
Anas Sheikh Mohammad aus Obernburg
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Lara Gücer aus Elsenfeld
„Ich wohne direkt da und habe das alles mitbekommen. Ich war auf jeden Fall sehr erschrocken. Und dann musste ich direkt am nächsten Tag wieder Zug fahren. Ich hatte natürlich Angst. Man denkt ja immer, es passiert irgendwo in den Großstädten. Und dann passiert das in so einem kleinen Dorf. Gerade abends vermeide ich es, mich am Bahnhof aufzuhalten. Vor allem die Unterführung. Die brauchen hier Sicherheitsleute und Kameras wären auch sinnvoll, finde ich.”
Lara Gücer aus Elsenfeld
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Simon Schmitt aus Elsenfeld
„Der Bahnhof ist hier schon eine große problematische Gegend bei uns. Ich persönlich habe kein Problem damit, dort abends rumzulaufen. Aber ich denke gerade als Frau, wenn es dunkel ist, kann es schon unangenehm sein. Ich würde jetzt nicht sagen, dass der Bahnhof ein heißes Pflaster ist, aber es ist schon so ein bisschen der Trend dazu da. Für mehr Sicherheit sollte der Bahnhof gut ausgeleuchtet sein. Und halt wirklich mehr Polizeipräsenz!”
Simon Schmitt aus Elsenfeld
KW25 Elsenfeld 9
Christine Fersch aus Elsenfeld
„Seitdem diese ganzen Schwierigkeiten auftreten, meide ich solche Orte. Vor allem in der Dunkelheit. Es bräuchte dort auf jeden Fall mehr Polizei und mehr Security.”
Christine Fersch aus Elsenfeld
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Hein Gieder aus Elsenfeld
„Das macht schon Angst. Meine Frau fährt jeden Tag mit dem Fahrrad durch die Unterführung. Es soll ja auch jetzt mehr Polizei da sein, aber ist auch klar, dass die nicht überall sein kann. Videoüberwachung oder Security wäre auch eine gute Idee.”
Hein Gieder aus Elsenfeld