Neues Leben auf altem Friedhof

KARLSTEIN-GROSSWELZHEIM (to). Der alte Friedhof in Großwelzheim soll nicht einfach nur wieder schöner werden. Michael Lutz vom Bayerischen Landesamt für Umwelt möchte aus der rund 2.000 Quadratmeter großen Fläche ein Naturparadies machen – mit mehr Bäumen, Sitzmöglichkeiten und kleinen Lebensräumen für Insekten, Vögel und Fledermäuse. Damit die ersten Schritte umgesetzt werden können, hat er einen Spendenaufruf gestartet.
Seit mehr als 20 Jahren wird das Gelände nicht mehr für Beerdigungen genutzt. Für Großwelzheim gibt es inzwischen einen neuen Friedhof unweit der Waldschule. Die alte Fläche ist bereits entwidmet, gehört aber weiterhin zum Ort: Einzelne Gräber werden noch von Angehörigen gepflegt, dazu kommen die frühere Aussegnungshalle, das zentrale Steinkreuz und die Mahnmale für die Toten der beiden Weltkriege. Mittlerweile laufen vor allem Spaziergänger oder Hundebesitzer über das Gelände. Für Michael Lutz ist klar: Der alte Friedhof soll seine Geschichte behalten, aber trotzdem eine neue Aufgabe bekommen. Vor Ort sieht man noch genau, wie die Fläche früher aufgebaut war. Ein schnurgerader Weg teilt das langgezogene Areal. Rechts und links davon lagen früher die Gräber. Heute gibt es dort vor allem Rasenflächen und nur vereinzelt Gehölze. An heißen Tagen wird das schnell zum Problem. „Wenn man bei über 30 Grad dort steht, merkt man sofort, wie sehr der Schatten fehlt“, sagt Michael Lutz. Genau deshalb wäre es aus seiner Sicht schade, die rund 2.000 Quadratmeter einfach so zu lassen.
Ein Friedhof gegen Hitze
Die Idee kam nicht aus dem Nichts. Michael Lutz beschäftigt sich seit Jahren mit Fledermäusen, Artenschutz und Naturflächen. Gemeinsam mit seiner Frau und Michael Helmling von der Gemeinde Karlstein hat er überlegt, wo im Ort mehr gegen Hitze und für Artenvielfalt getan werden könnte. Dabei rückte das Gelände in Großwelzheim in den Fokus. Es gehe darum, eine vorhandene Fläche sinnvoller zu nutzen, erklärt Lutz. „Man geht im eigenen Ort auf die Suche und schaut, wo man den steigenden Temperaturen etwas entgegensetzen kann.“ Entstehen soll ein ruhiger, grüner Aufenthaltsort. Der gerade Weg könnte aufgelockert und durch einen geschwungenen Pfad ersetzt werden. Dadurch würden kleine Naturinseln entstehen, die bepflanzt und gestaltet werden können. Geplant sind heimische Stauden, Sträucher und Bäume. Sie sollen Schatten spenden, die Fläche im Sommer kühlen und dafür sorgen, dass Regenwasser besser aufgenommen wird. Sitzmöglichkeiten könnten dazu einladen, kurz auszuruhen, sich zu treffen oder die Natur zu beobachten.
Lebensraum für Tiervielfalt
Gleichzeitig soll es auf der Fläche deutlich mehr Lebensräume für Tiere geben. Michael Lutz denkt an Sandarien für Wildbienen, eine Eidechsenburg, Käferkeller, Totholzbereiche und später vielleicht auch eine Benjeshecke. „Wenn wir Insekten fördern, helfen wir automatisch auch Vögeln und Fledermäusen“, sagt er. Mit mehr Pflanzen und Rückzugsorten könnten nach und nach auch Igel oder Eichhörnchen dazukommen. Auch Kinder sollen Teil des Projekts werden. Einen Spielplatz soll es auf dem Gelände zwar bewusst nicht geben, stattdessen stellt sich Lutz aber Pflanzaktionen mit Schulklassen oder Kindergartengruppen vor. Die Kinder könnten gemeinsam aussuchen, welche heimischen Pflanzen zu sonnigen oder schattigen Stellen passen und sie selbst einsetzen. „Wenn die Kinder dann mit Oma, Opa, Mama oder Papa hier vorbeikommen, können sie sagen: Schau mal, da habe ich mitgearbeitet“, sagt der Fledermausfachberater.

„Den Anfang schaffen“
Damit die Umgestaltung starten kann, braucht es jetzt Unterstützung. Weil Karlstein wie viele andere Kommunen sparen muss, soll das Projekt zunächst über Spenden angeschoben werden. Ziel sind 7.500 Euro. Gespendet werden kann direkt an die Gemeinde Karlstein mit dem Stichwort „Alter Friedhof“ oder über GoFundMe im Bereich Gartengestaltung und Naturschutz. Mit dem Geld sollen erste Wege aufgelockert, kleine Inseln vorbereitet und später gemeinsam bepflanzt werden. Die Veränderung soll nicht auf einen Schlag passieren, sondern über zwei bis drei Jahre wachsen. Michael Lutz betont: „Es geht darum, den Anfang zu schaffen – danach kann sich die Fläche Stück für Stück entwickeln.“
