Rettet uns!

BAYER. UNTERMAIN (lt). Die Tage werden länger, das Thermometer schießt in die Höhe und die Menschen sehnen sich nach einer Abkühlung. Oft ist da das nächste Freibad oder der Badesee die erste Anlaufstelle. Doch dass wir dort in Sicherheit unsere Bahnen ziehen oder planschen können, ist keine Selbstverständlichkeit - sondern eine große Verantwortung des Schwimmmeisters vor Ort, der seine vollständige Aufmerksamkeit den Wassergängern schenkt. Leider gehört für diese Berufsgruppe eine Arbeitszeit von zehn Stunden bei viel zu niedrigem Lohn zum Alltag, denn Personal gibt es schon seit langem viel zu wenig. Auch diese Saison ist das deutlich spürbar und der Bayerische Untermain sucht händeringend nach Lebensrettern.
„Sobald die ersten Wasserunfälle aufkommen, tritt der Personalmangel wieder ins Bewusstsein“, alarmiert die technische Leitung der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft in Aschaffenburg Alexander Weise. Der Mangel an Rettungsschwimmern an Badestellen sei jedoch kein neues Problem, sondern jedes Jahr Thematik. Nicht nur sei der Beruf körperlich, technisch und sozial extrem anspruchsvoll, auch die Saisonarbeit erschwere die Arbeitskräftesuche. Alexander Weise war selbst einmal Rettungsschwimmer, bevor er sich vollkommen auf den Beruf des Ausbildungsschwimmers fokussierte und weiß deshalb genau, welch große Verantwortung dieser Beruf sein kann: „Zum Glück hatte ich in meiner Dienstzeit keine Situation, wo es lebenskritisch war.“ Doch der Job des Bademeisters ist weit mehr als nur aktiv Leben retten. Sie behalten ständig das Wasser im Blick, verhindern Unfälle oft schon Sekunden bevor etwas passiert und sorgen dafür, dass im Schwimmbad alles sicher läuft. Vom Streit schlichten über Kinder beruhigen bis zur Kontrolle von Wasserqualität und Technik: Viele Aufgaben wirken klein - können am Ende aber lebenswichtig sein.
Die richtige Ausrüstung kann Leben retten
Auch die Wassergänger selbst können mit gewissen Vorkehrungen Vorfälle vermeidet werden. „Man ist vollkommen aufgeheizt von der Sonne und springt dann ins Wasser rein. Diesen Temperaturunterschied, egal ob jung oder alt, kann der Körper oft schwer verkraften, sodass der Körper in dem Moment abschaltet. Es kommt zu einer Bewusstlosigkeit, man taucht recht schnell unter und wird nicht mehr so recht gefunden“, warnt Alexander Weise. Umso wichtiger ist deshalb die richtige Ausrüstung, egal ob Anfänger oder Vollprofi. „Eine aufblasbare Schwimmweste, die man erst im Notfall auslöst oder eine Trillerpfeife können das Leben retten.“
Der Beruf ist alles andere als langweilig
Schwimmmeisterin Sandra vom Erlenbacher Bergschwimmbad liebt ihren Job und das schon seit vielen Jahren: „Der Beruf ist sehr vielschichtig. Es geht nicht nur darum, am Beckenrand zu stehen – wie früher das Bild vom ‚Bademeister‘. Deshalb wollen wir auch eigentlich nicht so genannt werden. Wir sind Fachangestellte für Bäderbetriebe und Schwimmmeister. Bei uns wird nicht gebadet, sondern geschwommen.“ Neben der Aufsicht gehören auch Wasserhygiene, Chemie, Wasseraufbereitung, die Pflege der Grünanlagen, handwerkliche Arbeiten und der Kontakt mit den Badegästen zum Beruf dazu. Auch der Bademeister Marco Büttner des Naturerlebnisbads Schöllkrippen schwärmt von seinem Beruf: „Man hat viel mit Leuten zu tun. Es macht Spaß zu sehen, wie die Kleinen schwimmen lernen und sie aufwachsen zu sehen. Man hat einfach super viel mit Leuten zu tun und knüpft zwischenmenschlich wertvolle Kontakte.“
Die Ausbildung zum Lebensretter
Auch Auszubildender im Bergschwimmbads Felix ist mehr als zufrieden mit seinem Beruf, zu dem er durch ein zweiwöchiges Praktikum gefunden hat: „Also wir haben ja auch Saunaaufgüsse in unseren Saunen. Das gehört auch zu unserem Aufgabenbereich, da hast du deine Freiheit, was du machen willst. Und das macht mir besonders viel Spaß und auch einfach mit Leuten draußen im Freien zu sein.“ Die Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe dauert drei Jahre und bietet jede Menge Abwechslung. Neben Schwimmtraining und Rettungsübungen lernen die Azubis auch alles über Wassertechnik, Chemie und den sicheren Betrieb eines Schwimmbads. Besonders spannend ist die Mischung aus Verantwortung, Teamarbeit und dem täglichen Kontakt mit Menschen. Kein Tag gleicht dem anderen – mal bringt man Kindern das Schwimmen näher, mal sorgt man dafür, dass im Bad alles reibungslos läuft. Wer einen aktiven Beruf mit Sinn sucht und gerne mit Menschen arbeitet, findet hier echte Zukunftschancen.
Einfach ausprobieren
Alexander Weise appelliert an alle: „Wenn ihr euch für den Beruf des Schwimmmeisters interessiert, dann ergreift die Initiative. Zögert nicht, es ist niemals zu spät, in den Beruf einzusteigen. Nutzt die Gemeinschaft, freut euch gemeinsam Badeaufsicht machen zu können. Im Vergleich zu vielen anderen Berufen bieten die DLRG, die Wasserwacht und diverse private Schwimmbetriebe die Möglichkeit, den Dienst auch ehrenamtlich zu machen. Die DLRG und Wasserwacht bieten auch an den Küsten als gelernte Rettungsschwimmer eine Mischung aus Urlaub und Rettungsschwimmen. So kann man schnell in den Beruf reinschnuppern und für sich festzustellen, ob das was fürs Leben ist.“ Gerade in den heißen Sommermonaten wird deutlich, wie unverzichtbar Rettungsschwimmer und Fachangestellte für Bäderbetriebe sind. Während tausende Menschen die Freibäder und Seen am Bayerischen Untermain genießen, sorgen sie im Hintergrund täglich für Sicherheit – oft unter großem personellen Druck. Umso wichtiger sei es laut DLRG und den Schwimmbädern vor Ort, mehr Menschen für den Beruf zu begeistern. Denn am Ende könne jede zusätzliche Aufsichtskraft Leben retten.

