• Frequenzen: 100,4 & 99,4 & 90,8
  • Funkhaus Tel 06021 – 38 83 0
  • Stauhotline 0800 – 66 66 400
  • Kontakt

On Air

Jetzt anhören

Schnorren auf der Mitleidsschiene

14.03.2026, 06:00 Uhr in PrimaSonntag
Betteln im zug

BAYER. UNTERMAIN (lb). Im Stillen legt eine Person eine Packung Taschentücher auf den Sitzplatz gegenüber von Ihnen. Verwundert blicken Sie auf und sehen einen Zettel auf der Packung: „Entschuldigen Sie, ich bin neu in diesem Land. Ich habe zwei Kinder, bitte helfen Sie mir. Ich brauche Geld für Essen und Miete. Vielen Dank. Gott segne dich.“ Als Sie die Person betrachten, sieht sie auf den ersten Blick nicht bedürftig aus. Handelt es sich hier etwa um eine Betrugsmasche oder braucht die Person wirklich Hilfe und ist betteln überhaupt in der Bahn erlaubt?

Ein anonymer Leser berichtet:

„In den Zügen von Aschaffenburg nach Frankfurt sind ganz viele Bettler unterwegs. Die verfolgen immer dasselbe Schema. Die kommen rein, legen einen Zettel mit einer Taschentuchpackung auf die Sitzplätze. Auf dem Zettel steht sinngemäß immer: ‚Ich habe drei Kinder, eine Frau und bin ganz arm. Bitte helfen Sie mir und geben Sie mir Geld!‘ Dann laufen Sie einmal durch den Wagon und sammeln dann die Zettel und eventuell das Geld ein. Diese Leute sehen für mich absolut nicht bedürftig aus. Sie tragen oft Markenklamotten und sehen recht gepflegt aus.“

Auch der Deutschen Bahn ist das hohe Bettelaufkommen in den Zügen nicht entgangen: „Betteln ist in unseren Zügen und an den Bahnhöfen verboten.“ Die Bahn rät ihren Fahrgästen, kein Geld zu geben. Fahrgästen, die Menschen in Not helfen möchten, empfehlen sie, dies über eine Spende an eine anerkannte gemeinnützige Organisation zu tun. „Aktuell setzen wir auch punktuell automatische Durchsagen in unseren Zügen ein.“, betont die Pressesprecherin der Deutschen Bahn. So versucht das Unternehmen, die Passagiere für Bettelbetrugsmaschen aufmerksam zu machen. 
Am Bahnhof in Aschaffenburg erzählen uns die Fahrgäste von ihren Erfahrungen mit Bettlern im Zug. Wurden sie bereits mit einer Taschentuchpackung um Geld gefragt?

KW11 Bettlerim Zug 3
Lara aus Aschaffenburg:

„Also das ist tatsächlich gar nicht so neu. In Frankfurt sehe ich das öfter mal, aber hier in Aschaffenburg fällt es mir nicht auf.Ich wohne jetzt seit zwei Jahren hier in Aschaffenburg und ich hatte das damals schon in Berlin, dass die ein Handtuch irgendwie auf den Sitzplatz gelegt haben und dann da standen und gewartet haben, bis du wirklich Geld gibst. Aber irgendwann haben sie aufgegeben und sind weitergegangen, wenn man es ignoriert hat.“

KW11 Bettlerim Zug 4
Christian Englert aus Heigenbrücken:

„Ich fahre häufiger über Frankfurt ins Saarland, aber die Bettelstrategie habe ich es bis jetzt noch nicht erlebt. Aber am Bahnhof wurde ich schon öfters nach Geld gefragt. Ich bin dann eher der Weichherzige, lasse mich gerne mal überreden und zücke halt dann einen Euro, um vielleicht mein Gewissen zu beruhigen. Doch ob die Bettler tatsächlich bedürftig sind oder nicht, das bezweifle ich auch oftmals.“

KW11 Bettlerim Zug 5
Vanessa Csapo aus Münster:

„Also ich wurde schon mal nach Geld gefragt, zum Beispiel an den Bahnsteigtreppen, aber nicht im Zug. Ich bin aber auch nicht in Richtung Frankfurt unterwegs, sondern eher die Würzburger Richtung.“

In Aschaffenburg scheint die Bettelstrategie mit dem Taschentücher-Eintausch noch nicht so weit verbreitet zu sein, wie in den Großstädten. Für alle Pendler ins Rhein-Main-Gebiet heißt das: aufmerksam bleiben! Das Betteln mithilfe eines Zettels ist wesentlich unauffälliger –somit erhoffen sich Gruppen wohl trotz des Bettelverbots in Zügen der Deutschen Bahn an Geld heranzukommen. Ob es sich wirklich um eine Betrugsmasche handelt, kann nicht nachgewiesen werden. Im Endeffekt bleibt es jedem selbst überlassen, ob und wie viel man an Geldsuchende gibt.