Seit 50 Jahren für uns da - DANKE!

MILTENBERG/OBERNBURG (mg). Wenn es ums Altern geht, haben fast alle den einen Wunsch: Möglichst lange selbstbestimmt leben zu können und das am liebsten in den eigenen vier Wänden. Seit 50 Jahren sind sie da, um die Menschen bei diesem Wunsch zu unterstützen: die Ambulante Pflege des BRK-Kreisverbandes Miltenberg-Obernburg. Sie helfen unter anderem bei der Körperpflege, beim Zubereiten und der Aufnahme von Mahlzeiten, bei der Einnahme von Medikamenten und auch bei der Wundversorgung. Manchmal reicht die Kraft auch einfach nicht mehr, um sich um den Haushalt zu kümmern - auch hier sind sie da. Mit fachlicher Kompetenz und menschlicher Nähe steht das Team an der Seite der Menschen in unserer Region, denn die ambulante Pflege bedeutet vor allem eines: länger im eigenen Zuhause bleiben zu können.
Viele Menschen pflegen Mutter, Ehemann oder das eigene Kind - aus Liebe und Verantwortung. Oft beginnt die Pflege mit kleinen Dingen im Alltag. Mit der Zeit werden daraus immer mehr Aufgaben und eine tägliche Verantwortung. Doch die Pflege kann körperlich und seelisch sehr belastend sein - Unterstützung durch den BRK-Kreisverband MIL-OBB kann hier eine große Entlastung bieten. Über eine Pflegeberatung vor Ort kann zunächst ganz niedrigschwellig geholfen werden – etwa mit einem wöchentlichen Einsatz bei der Körperpflege, einer Unterstützung im Haushalt oder einer Betreuung. So kann langsam Vertrauen entstehen.
Ein Beruf im Wandel
Der Arbeitsalltag in der Pflege hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Früher gab es nur wenige Pflegehilfsmittel und deutlich weniger Dokumentation. Pflegekräfte mussten teilweise noch Menschen aus sehr tiefen Betten heben. Heute erleichtern moderne Hilfsmittel viele körperlich belastende Tätigkeiten. Gleichzeitig sind die Anforderungen gestiegen: Die Zahl unterschiedlicher Krankheitsbilder nimmt zu, die Digitalisierung verändert die Arbeitsabläufe und insbesondere die Betreuung von Menschen mit Demenz stellt Pflegekräfte vor neue Herausforderungen. Dabei kommt es nicht nur auf Fachwissen an. „Wertschätzung, Geduld und Zeit“ seien entscheidend, wenn man mit Menschen mit Demenz arbeite, erklärt Pflegerin Petra Pfeifer. Oft könne Musik, gemeinsames Singen oder Tanzen einen Zugang schaffen, wenn Worte nicht mehr funktionieren. Petra Pfeifer ist seit 36 Jahren beim BRK-Kreisverband Miltenberg-Obernburg in der Pflege tätig und macht bis heut ihren Beruf sehr gerne. Auch im Ruhestand bleiben viele der langjährigen Mitarbeiter der Pflege verbunden. So ist auch Martina Jakob nach 35 Jahren beim Roten Kreuz weiterhin in Teilzeit tätig: „Auch wenn der Beruf anstrengend sein kann - die schönen Momente sind die, die überwiegen.“. Dankbarkeit, kleine Fortschritte oder der Moment, in dem eine Wunde heilt und ein Mensch wieder mobiler wird, sind besondere Erfolgserlebnisse.
Zwischen Nähe und Distanz
Manche Begegnungen bleiben über viele Jahre in Erinnerung. Pflegekräfte begleiten Familien teilweise über Jahrzehnte, erleben Geburten, Einschulungen, Hochzeiten und auch Abschiede mit. „Man baut schon ein gutes Vertrauensverhältnis auf und wird auch immer mal wieder zum Kaffee oder auch zum Geburtstag eingeladen“, so Sachgebietsleiterin der Pflege Katja Konrad - sie ist ebenfalls seit Jahrzehnten in der Pflege und beim Roten Kreuz aktiv. Gleichzeitig müssen Nähe und professionelle Distanz miteinander vereinbart werden, betont Katja Konrad: „Das ist immer ein Thema bei uns Berufsgruppen, die so nah an dem Patienten sind.“ Das bestätigt auch Kreisgeschäftsführer i.V. Uwe Eisner: „Du musst eine professionelle Distanz haben, denn du bist Dienstleister, kommst aber extrem nah an den Patienten ran. Also als Pflegekraft wortwörtlich bis ins Bett.“ Doch dieser Spagat lohnt sich: „Mein Mann sagt immer, wenn du von einer Pflegetour heimkommst, dann strahlst du einfach“, so Katja Konrad. Ein Beruf, der vielleicht einem alten Image hinterher hängt - doch viel Erfüllung und Sinn in das eigene Leben bringen kann.
Der Zeit voraus
50 Jahre ambulante Pflege im Landkreis Miltenberg - ein wichtiges Jubiläum und Anlass, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Die Anfänge der ambulanten Pflege waren nämlich noch weit entfernt von den heutigen Strukturen. 1976 gründeten engagierte Rotkreuzhelferinnen in Faulbach ein Hauskrankenpflegeverein - mit dem Ziel, ältere Menschen eine Versorgung im eigenen Zuhause zu bieten. Damit waren sie der Zeit voraus und legten den Grundstein für die heutige ambulante Pflege. Etwa ein Jahr später wurden die ersten Schwesterhelferinnenkurse in Kirchzell angeboten. Dort wurden Frauen für die häusliche Pflege qualifiziert und die Versorgung im Landkreis konnte weiter ausgebaut werden. Ein entscheidender Wendepunkt kam 1995 mit der Einführung der Pflegeversicherung. „Und dann auch damit das verbundene Wachstum, sodass wir teilweise fünf Pflegeteams hatten“, so Edwin Pfeifer. Plötzlich konnten deutlich mehr Leistungen über die Pflegekassen abgerechnet werden. Die ambulante Pflege wuchs und wurde zunehmend professioneller. Heute gehören neben der eigentlichen Pflege auch Beratung, Betreuung, Hauswirtschaft und die Vermittlung von Hilfsmitteln zum Angebot.
Jubiläumsfest an diesem Wochenende
Nicht nur die ambulante Pflege feiert Jubiläum, auch die BRK-Rettungswache Südspessart schaut auf 20 Jahre zurück. Zelebriert wird das Doppeljubiläum dieses Wochenende auf dem Dorfplatz in Dorfprozelten. Am Samstag geht es los mit der BRK-Blautlichtparty und den RockaholiX - eine Rock-Cover-Band aus dem Saarland. Am Sonntag gibt es ein buntes Familien- und Dankeschönfest. Es gibt auch die Möglichkeit an einer Bootsfahrt mit der Wasserwacht teilzunehmen und mit der Bergwacht zu klettern. Da lohnt sich ein Besuch!

