Shoppen oder Ruhe?

BAYERISCHER UNTERMAIN (mg). Es ist Sonntag, der Kühlschrank leer und der Supermarkt zu. Frust für die einen, verdiente Ruhe für die anderen. Vor allem zwischen den Generationen gehen die Vorstellungen auseinander: Während viele Jüngere sich mehr Flexibilität wünschen, wollen viele Ältere den Sonntag als Ruhetag bewahren. Soll Bayern den Sonntag zum Einkaufstag machen oder bleibt der Ruhetag tabu? Wären längere Öffnungszeiten unter der Woche eine Lösung? Kirche, Handelsverband und Bürger positionieren sich.
Die Debatte nimmt wieder Fahrt auf, weil die Bundesregierung die Regeln für Sonntagsarbeit lockern will. Bäckereien und Bibliotheken sollen unter bestimmten Bedingungen sonntags länger arbeiten oder öffnen dürfen. Der Handelsverband Deutschland (HDE) fordert deshalb, auch anderen Geschäften mehr Spielraum bei Sonntagsöffnungen zu geben. Der Handelsverband Bayern setzt dagegen vor allem auf die bestehenden Regelungen des bayerischen Ladenschlussgesetzes und fordert keine generelle Freigabe aller Sonntage.
Mehr Kosten – gleicher Umsatz
Wir haben mit Volker Wedde, Bezirksgeschäftsführer vom Handelsverband Bayern gesprochen: „In Bayern soll es bei den vier verkaufsoffenen Sonntagen bleiben.“ Er betont, dass das Thema Ladenschlussgesetz natürlich nicht immer eine ganz einheitliche Diskussion ist: „Ich habe Verständnis dafür, dass das in anderen Bundesländern oder Ballungsräumen anders gesehen wird. Doch die große Mehrheit der Einzelhändler hier wünscht sich keine Ausweitung der Sonntagsöffnungen.“ Auch finanziell rechnet sich eine Sonntagsöffnung nach Ansicht des Handelsverbands nicht. Die Umsätze würden sich nur auf einen weiteren Verkaufstag verteilen und die Kosten steigen: „Und auch für Mitarbeitende wäre das eine zusätzliche Belastung.“ Spielraum sieht der Handelsverband dagegen in Kur- und Tourismusorten. Dort könnten zusätzliche Sonntagsöffnungen den touristischen Bedürfnissen besser gerecht werden. Wedde ergänzt: „Wenn jeden Sonntag verkaufsoffen wäre, würde sich das natürlich auch abnutzen".
Zeit für Gemeinschaft
Auch die Kirche positioniert sich klar gegen eine Ausweitung der Sonntagsöffnungen. Für Markus Schuck von der Betriebsseelsorge der katholischen Arbeitnehmerbewegung aus Aschaffenburg geht es dabei nicht nur um einen freien Tag, sondern um den gesellschaftlichen Zusammenhalt. „Es ist soziale Zeit, die einfach am Sonntag noch da ist. Man hat einen gemeinsamen Rhythmus in der Gesellschaft – man kann sich verabreden und es sind Tage, an denen Feste oder Familienfeiern stattfinden können. Und das ist ein hohes soziales Gut.“ Der Sonntag sei damit mehr als ein gewöhnlicher Wochentag – er schafft Raum für Familie, Begegnungen und gemeinsame Aktivitäten.
Tina Fürsattel und Peter Mahncke aus Aschaffenburg
„Mir ist das eigentlich völlig egal. Ich brauche es nicht. Lasst den Leuten den Sonntag frei! In meiner Generation kennt man das nicht anders. Wenn die jungen Leute es brauchen, meinetwegen – ich brauch’s aber nicht!“
Melissa Cito aus Aschaffenburg
„Für die Verbraucher finde ich das natürlich gut. Für die Arbeitenden muss das jeder für sich selbst entscheiden. Prinzipiell hätte ich nichts dagegen sonntags einkaufen gehen zu können. Auch wenn die Läden unter der Woche länger auf hätten, wäre das praktisch!“
Uli und Günther aus Stockstadt
„Denken die auch an die Verkäufer? Man hat doch genug Zeit, die Woche über einkaufen zu gehen. Das braucht man nicht noch sonntags! Wir sind Rentner, wir sind auch froh, wenn wir unsere Ruhe haben! Für uns ist das ok, dass die Läden bis 20 Uhr aufhaben. Für Berufstätige sieht das vielleicht anders aus.
Alexander und Viktoria aus Aschaffenburg
„Ich finde das gut. Ich habe auch schon oft sonntags einkaufen gehen wollen. Wäre auch cool, wenn die Läden unter der Woche länger aufhaben, so wie in Hessen. Dort ist es in Sachen Supermarkt besser.“
Elsa Aprile und Carlos Holzinger aus Mainaschaff
Carlos: „Ich finde es ist eine gute Idee, aber es ist halt schlecht für die Mitarbeiter. Wenn sie dann das dreifache bezahlt kriegen, wie es die Arbeitsnorm oder die Arbeitsregel sagt, ja okay, einen halben Tag, warum nicht? Also wenn ich sonntags gearbeitet habe, muss man das Dreifache Gehalt oder den Stundenlohn zahlen.“
Elsa: „Für Deutschland ist es okay. Die Leute sind um 6 Uhr schon alle beim Abendessen. Bei Großstädten ist das vielleicht etwas anders, aber Aschaffenburg ist nicht so riesig, da passt das schon.“
Steffan Müller aus Aschaffenburg
„Ich fände es gut, damit man einfach mehr Möglichkeiten zum Einkaufen hat. Da haben viele Leute Zeit und andere können auch mehr Geld verdienen. Längere Öffnungszeiten und Schichtarbeit geben auch wieder neue Arbeitsplätze.“
Ferdinand Englert aus Leidersbach
„Ich fände es super, wenn man sonntags in Ruhe einkaufen gehen könnte. Man hätte mehr Zeit, würde entspannter durch die Geschäfte gehen und könnte den Einkauf genießen, ohne Zeitdruck. Aber auch die Angestellten haben es schon schwer genug – man sollte sie nicht zusätzlich belasten.“