Sport zum Kopfschütteln

ASCHAFFENBURG (wk). Beim Fußball zählt der richtige Schuss, beim Sprint jede Sekunde und beim Headbanging? Da kommt es auf Geschwindigkeit, Rhythmus und vor allem die richtige Technik an. Was die meisten wohl eher von Rock- und Metal-Konzerten kennen, wird in Aschaffenburg tatsächlich als Sport betrieben. Gerald Wolf beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit dem Headbanging und hat dafür sogar eine eigene Schule gegründet.
Denn einfach den Kopf möglichst heftig vor und zurückzuwerfen, hat mit der richtigen Technik wenig zu tun. Für Wolf ist Headbanging eine Mischung aus Tanz und Sport. Entscheidend ist, dass die Bewegung kontrolliert ausgeführt wird. Dabei arbeitet längst nicht nur der Nacken. Vielmehr entsteht die Bewegung aus dem Zusammenspiel des ganzen Körpers. Beine und Oberkörper helfen dabei, Schwung aufzubauen und den Kopf kontrolliert zu bewegen. Wer dagegen nur aus dem Nacken heraus arbeitet, macht laut Wolf schnell etwas falsch. Seit Jahrzehnten beschäftigt er sich mit der Bewegung. 2023 gründete er schließlich die erste Headbanger-Schule. Dort geht es unter anderem darum, verschiedene Techniken zu lernen und die Bewegungen sauber auszuführen.
Windmühle statt Weitsprung
Und wie misst man eigentlich, wer besonders gut headbangt? Dafür gibt es verschiedene Disziplinen. Eine davon ist die sogenannte „Windmühle“, auch „Helikopter“ genannt. Dabei wird der Kopf kreisförmig bewegt. Entscheidend sind Geschwindigkeit und Kontrolle. Bei der deutschen Meisterschaft am Freitag mussten die Teilnehmer innerhalb von 30 Sekunden möglichst viele Umdrehungen schaffen. Damit wurde aus einer Bewegung, die sonst vor allem vor Konzertbühnen zu sehen ist, plötzlich eine messbare sportliche Leistung. Ganz anders sieht es beim Freestyle aus. Hier spielen neben der Technik auch Kreativität und Bühnenpräsenz eine Rolle. Die Headbanger können ihre eigene Performance zeigen, Bewegungen kombinieren und beispielsweise mit Luftgitarre für zusätzliche Show sorgen. Bewertet werden unter anderem Ausdruck, Rhythmus und die Kontrolle über die Bewegungen.
Kurze Haare? – Kein Problem!
Wer beim Wort Headbanging sofort an fliegende lange Haare denkt, liegt übrigens nur teilweise richtig. Eine wilde Mähne ist für die Sportart keine Voraussetzung. „Es heißt Headbanging, nicht Hairbanging“, erklärt Wolf. Damit kann grundsätzlich jeder die verschiedenen Bewegungen ausprobieren. Auch bei der deutschen Meisterschaft gab es keine klassischen Qualifikationshürden. Besucher konnten spontan antreten und zeigen, was sie können.
Vom Konzert zur eigenen Sportart
Die Idee, aus Headbanging einen richtigen Wettbewerb zu machen, ist nicht ganz neu. Bereits 2024 gab es eine Weltmeisterschaft, im vergangenen Jahr folgte eine bayerische Meisterschaft. Am Freitag ging die Entwicklung in Aschaffenburg weiter: In der TuS-Dammhalle wurde erstmals um den Titel des deutschen Meisters gekämpft. Drei Livebands sorgten für die passende Musik, während sich die Teilnehmer in den unterschiedlichen Disziplinen beweisen konnten. Am Ende gab es für den Sieger neben einem Diplom und einem T-Shirt vor allem einen ziemlich außergewöhnlichen Titel: erster deutscher Meister im Headbanging. Was für viele weiterhin nach einer kuriosen Beschäftigung auf einem Metal-Konzert aussehen dürfte, hat damit längst eigene Techniken, Regeln und Wettbewerbe. Und zumindest in Aschaffenburg zeigt sich: Zum Sportgerät kann offenbar auch der eigene Kopf werden.







