Titelregen auf dem Main
ASCHAFFENBURG (wk). Zehn Titel bei 31 Starts: Der Ruder-Club Aschaffenburg hat bei den Bayerischen Meisterschaften in München-Oberschleißheim gezeigt, welches sportliche Potenzial in seinen Trainingsgruppen steckt. Lediglich ein Boot des Vereins verpasste bereits im Vorlauf den Einzug ins Finale.
Besonders erfolgreich war der Nachwuchs. Acht junge Ruderinnen und Ruderer gingen für den RCA an den Start. Drei Siege holte allein die U15-Gruppe. In einem weiteren Rennen fehlten den jüngsten Mädchen gerade einmal 25 Hundertstelsekunden zum Titel. Hinter den Erfolgen steht die gemeinsame Arbeit des Trainerteams um Frederik Zach, Max Helfrich und Armin Hacker. Doch während die Aschaffenburger auf dem Wasser Erfolge feiern, steht der traditionsreiche Verein vor einer schwierigen Aufgabe: Es fehlen junge Sportler und ehrenamtliche Trainer.
Teamarbeit hinter den Erfolgen
Kaum jemand kennt den Ruder-Club so gut wie Armin Hacker. Er ist Trainer, Rennruderwart und stellvertretender Vorsitzender für den Sport. Zum Rudern kam er über seinen Vater, der bereits als Jugendlicher im Verein aktiv war. Hacker begann Anfang der 1970er-Jahre mit dem Ausbildungsrudern und wechselte drei Jahre später in die Rennabteilung. Seine Begeisterung ist bis heute geblieben. Bei der Betreuung des Nachwuchses hat Hacker in diesem Jahr allerdings bewusst etwas kürzergetreten. Die erfolgreiche Arbeit sei vor allem eine Teamleistung der Nachwuchstrainer Frederik Zach und Max Helfrich sowie seiner eigenen Unterstützung, betont er. Für das Gespräch übernahm Hacker stellvertretend die Rolle des Sprechers. „Die, die einmal gespürt haben, wie so ein Boot gleitet, werden es nicht mehr loslassen“, sagt er. Gerade die Erfolge der Kindergruppe seien wichtig für den gesamten Verein. Siege und gute Platzierungen könnten eine Trainingsgruppe zusätzlich motivieren. In kleineren Sportarten seien starke Jahrgänge entscheidend: Kommen mehrere Kinder gleichzeitig dazu, können sie sich gegenseitig antreiben. Hören einige wieder auf, entsteht dagegen schnell eine Lücke.
Bis zu 20 Kilometer auf dem Main
Trainiert wird am Bootshaus am Floßhafen. Von dort führen die Strecken in Richtung Obernauer Schleuse und Schloss Johannisburg oder flussabwärts bis nach Kleinostheim. Ältere Jugendliche legen bei einer normalen Einheit rund zwölf bis 15 Kilometer zurück. Bei längeren Ausfahrten kommen etwa 20 Kilometer zusammen. Im Sommer wird vor allem auf dem Main trainiert. Vor wichtigen Wettkämpfen üben die Sportler gezielt Starts, Renntempo und Endspurt. Im Winter verlagert sich das Training ins Bootshaus. Dann stehen Krafttraining, Laufeinheiten und Kilometer auf dem Ergometer auf dem Programm. Die Grundlage für die Wettkämpfe werde vor allem in dieser Zeit gelegt, erklärt Hacker. Im Rennen gehe es anschließend bis an die Belastungsgrenze: „Dann wird die Strecke fast maximal gefahren – bis die Lichter ausgehen.“
Kraft allein reicht nicht
Rudern sieht von außen oft einfacher aus, als es tatsächlich ist. Entscheidend ist nicht nur die Kraft, sondern vor allem die Technik. Körperbewegung, Rollsitz und Ruderblätter müssen genau zusammenspielen. Wer zu schnell nach vorne rollt oder das Blatt im falschen Moment ins Wasser setzt, bremst das Boot ab. In einem Mannschaftsboot müssen außerdem alle Ruderer denselben Rhythmus finden. Anfänger brauchen deshalb Geduld. Nach Hackers Erfahrung sind mindestens zehn Trainingseinheiten nötig, bis die grundlegende Bewegung einigermaßen sicher sitzt. Erst mit der Zeit entsteht aus den einzelnen Abläufen eine flüssige Bewegung.
Nachwuchs und Trainer gesucht
Der Ruder-Club zählt rund 370 Mitglieder, doch junge Leistungssportler gibt es deutlich weniger als noch in den 1990er-Jahren. Viele Freizeitangebote und der hohe Trainingsaufwand erschweren die Nachwuchsarbeit. Das wirkt sich auch auf die Trainersuche aus, denn aus den Aktiven von heute sollen später die ehrenamtlichen Betreuer werden. Neue Anfänger könne der Verein deshalb nur aufnehmen, wenn eine zuverlässige Betreuung gewährleistet sei, sagt Hacker. Hoffnung setzt der Ruder-Club auf frühere Leistungssportler aus den eigenen Reihen. Max Helfrich betreut die Kindergruppe, Frederik Zach arbeitet mit Kindern und Junioren. Zach zählt laut Hacker zu den erfolgreichsten Aschaffenburger Ruderern der vergangenen 20 Jahre und gibt seine Erfahrung nun an die nächste Generation weiter. Hacker selbst will nach vielen Jahren als Trainer weiter kürzertreten. Die Verantwortung soll künftig verstärkt auf mehrere Schultern verteilt werden. Nach zehn Titeln bei den Bayerischen Meisterschaften gilt es deshalb nicht nur, neue Kinder für den Rudersport zu gewinnen. Der Verein möchte auch die erfolgreichen Ruderinnen und Ruderer von heute zu den Trainern von morgen machen.



