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"Platz da!" - Rücksichtslose Radfahrer?

23.05.2026, 06:00 Uhr in PrimaSonntag
Collage Fahrrad 800 x 500

BAYER. UNTERMAIN (mg). „Platz da!“ – Auf dem MainRadweg zwischen Miltenberg und Aschaffenburg kann es manchmal richtig eng werden, vor allem jetzt, wenn der Sommer richtig losgeht und das gute Wetter nach draußen lockt. Spaziergänger, Hundehalter, Familien mit Kinderwagen, E-Scooter- und Radfahrer teilen sich vielerorts denselben Weg. Was als idyllische Route am Main gedacht ist, wird im Alltag immer öfter zur Geduldsprobe. Radfahrer sagen „zu eng, zu langsam, zu viele Leute im Weg“, Fußgänger hingegen „zu schnell, zu rücksichtslos, zu gefährlich“. So friedlich der Weg am Main wirkt – ohne Rücksicht wird aus der schönen Strecke schnell eine Konfliktzone.

„Für den Tourismus ist der MainRadweg ein echtes Zugpferd.“, so das Mitglied des Tourismusverbands Franken e.V. Jörg Hentschel. Gemäß der ADFC-Radreiseanalyse zählt der MainRadweg bereits seit vielen Jahren zu den zehn beliebtesten Radfernwegen in Deutschland. Der ca. 40 Kilometer lange Abschnitt von Miltenberg nach Aschaffenburg ist eine gefragte Strecke für Fahrradfahrer. Laut ADFC Aschaffenburg-Miltenberg e.V. sind Stundenwerte mit 300 und mehr Radfahrern sind nicht unüblich. Besonders an sonnigen Tagen wird es schnell voll. Auch der E-Bike-Boom und die Zunahme des Radverkehrs sollen nach Aussage der Polizei Unterfranken den Alltag auf den Straßen spürbar verändert haben. Doch nicht jeder weiß, wer hier eigentlich Vorfahrt hat. Manche klingeln und erwarten, dass sofort Platz gemacht wird. Andere laufen nebeneinander und merken gar nicht, dass von hinten ein Rad kommt. 

Gedränge am Main

Besonders eng wird es am Aschaffenburger Mainufer unterhalb des Schlosses: „Hier hatten wir als ADFC früher schon vorgeschlagen, den MainRadweg weg vom Ufer in die Suicardusstraße zu verlegen. Außerdem hatten wir im Fahrradforum der Stadt Aschaffenburg vorgeschlagen die Floßhafenstraße zur Fahrradstraße zu machen.“, so Vorsitzender vom ADFC Aschaffenburg-Miltenberg e.V. Tino Fleckenstein. Auf Anfrage antwortet die Stadt Aschaffenburg, es stehe jedem ortskundigen Radfahrer frei, den hochfrequentierten Bereich über die Suicardusstraße zu umfahren: „Allerdings ist die Suicardusstraße ein verkehrsberuhigter Bereich, d.h. hier müssen auch Radfahrende mit Schrittgeschwindigkeit fahren.“ Die Radtouristen möchten und sollen natürlich das Schlossufer sehen und genießen: „Diese Gruppe ist nicht das Problem und bewegt sich in aller Regel langsam und legt gerne auch eine Rast an attraktiven Orten ein.“, so die Stadt. „Am Floßhafen ist die Oberflächenqualität der Fahrbahn deutlich schlechter als auf dem jetzigen Geh- und Radweg. Zudem gibt es werktags einen hohen Schwerverkehrsanteil durch die anliegenden Gewerbebetriebe. Entsprechend unbeliebt und ungeeignet ist die Fahrbahnnutzung. Deshalb wird eine Fahrradstraße aktuell keine Akzeptanz finden.“

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Wer muss jetzt warten?

Auch die Engstelle unterhalb des Pompejanums sorgt für ordentlich Konfliktpotential – hier hilft als Radfahrer nur abstiegen. Auch als Fußgänger schaut man lieber vorsichtig um die Ecke, bevor man an den Felsen vorbeigeht. Kommt man sich entgegen, herrscht schnell Chaos: „Es gab mal eine Planung der Stadt, hier einen erweiterten Steg zu installieren, was wir unterstützen würden.“, so Fleckenstein vom ADFC. Eine Umsetzung ist seitens der Stadt jedoch aktuell nicht geplant. Bei möglichen Umbauten müssten viele unterschiedliche Interessen berücksichtigt werden – vom Wasser- und Denkmalschutz über Tourismus und Stadtgestaltung bis hin zum Umwelt- und Naturschutz. Doch auch auf den breiteren Wegen stellt sich die Frage: Wer hat jetzt Vortritt? Auf gemeinsamen Geh- und Radwegen haben Radfahrer keinen Vorrang, sondern müssen Rücksicht nehmen und warten, bis Fußgänger Platz machen, so der ADFC. Notfalls muss man mit Schrittgeschwindigkeit fahren oder anhalten. Klingeln ist eine Warnung, kein Befehl - Fußgänger müssen nicht sofort zur Seite springen. Bei Verstößen können laut ADFC Bußgelder fällig werden: „Recht bekommen bei Konflikten meist die Fußgänger.“ Allerdings gilt die gegenseitige Rücksichtnahme für alle Verkehrsteilnehmer: Auch Fußgänger oder Hundehalter sollten aufmerksam bleiben und den Weg nicht unnötig blockieren, damit Begegnungen sicher und entspannt ablaufen können. 

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KW19 Radweg Zoff Miltenberg
KW21 Radweg Zoff Miltenberg

Der MainRadweg wächst

Doch natürlich gibt es auch viele Gründe, warum die Strecke so beliebt ist: Einige Kommunen entlang des Mains haben in den vergangenen Jahren gezielt in den Ausbau investiert. Wo ausreichend Platz vorhanden war, sorgen jetzt breitere Wege und neue Verbindungen für eine spürbare Entlastung. Fleckenstein vom Fahrrad-Club Aschaffenburg-Miltenberg e.V. hebt hervor: „Wir beobachten, dass hier einige Maßnahmen umgesetzt wurden, welche die Situation verbessern.“ Er bezieht sich unter anderem auf den Neubau vom MainRadweg zwischen dem Wasserwerk Aschaffenburg und Willigisbrücke, sowie ab Pompejanum Richtung Mainaschaff. „Das wurde von Mainaschaff und Aschaffenburg sehr gut umgesetzt. Da der Weg breiter ist, bestehen hier auch Ausweichmöglichkeiten.“, so Fleckenstein. Der Landkreis Miltenberg setzt ebenfalls auf überbreite Radwege, so zwischen Obernburg und Wörth: „Das war früher eine Autostraße.“ Und auch die neue direkte Radwegverbindung zwischen Kleinheubach und Miltenberg, nachdem eine Brücke über die Mud gebaut wurde, sorgt jetzt für eine bessere Strecke und mehr Ausweichmöglichkeiten. Am Ende funktioniert ein gemeinsamer Fuß- und Radweg nur dann sicher und entspannt, wenn alle aufeinander Rücksicht nehmen – mit Aufmerksamkeit, Respekt und etwas Gelassenheit.

Dusty Marz aus Sulzbach

„Der Radweg ist eigentlich perfekt, nur wird es hier oft mal zur Partymeile. Wenn die Besucher getrunken haben und es ein bisschen wilder wird, hat man oft das Problem, dass sie selbst nicht mehr in der Lage sind, auf andere zu achten. Aber ansonsten hast du hier eigentlich gute Möglichkeiten entlangzufahren. Ich bin in Norddeutschland aufgewachsen und da gibt es kaum Radwege. Man fährt oft auf der Straße, da ist das hier schon sehr schön am Main.“ 

KW21 Rad WEG Dusty Marz
Dusty Marz aus Sulzbach

Walter Pfarrer aus Obernburg

„Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Radfahrer Rücksicht auf die Fußgänger nehmen und umgekehrt. Ich fahre oft hier, auch wenn es voll ist - da muss man einfach ein bisschen langsam machen. Ich habe auch noch nie gesehen, dass es irgendwie Streit gab.“ 

KW21 Rad WEG Walter Pfarrer
Walter Pfarrer aus Obernburg

Thomas Schermer aus Aschaffenburg

„Es ist schon eine Katastrophe. Da behindern die Fußgänger die Fahrradfahrer. Aber natürlich ist es manchmal auch so, dass die Fahrradfahrer die Fußgänger behindern. Ich habe manchmal das Gefühl, vorne in Richtung Gude-Biergarten wissen die Leute nicht, was der Radweg und was der Fußweg ist.“

Thomas Schermer aus Aschaffenburg
Thomas Schermer aus Aschaffenburg

Bernd Roth aus Mainaschaff

„Es ist eigentlich kein Problem, dass Fußgänger und Fahrradfahrer nebeneinander unterwegs sind. Aber es müsste, wie es auf den Schildern steht, Rücksicht genommen werden. Ich muss hier nicht mit dem Rennrad mit 30 Sachen durchfahren. Wenn jeder auf der anderen Rücksicht nehmen würde, dann würde es funktionieren.“

Bernd Roth aus Mainaschaff
Bernd Roth aus Mainaschaff

Angela Roth aus Mainaschaff

„Ich habe mich schon mal durch die Radfahrer erschrocken. Erstens klingelt keiner - so schnell kann man gar nicht reagieren, wie sie plötzlich hinter dir sind. Man sollte definitiv mehr Rücksicht aufeinander nehmen.“

Angela Roth aus Mainaschaff
Angela Roth aus Mainaschaff

Dieter Schubert aus Aschaffenburg

„Ich fühle mich durch die Fahrräder nicht gestört, zumindest nicht auf den breiten Wegen. Die Enge an den Felsen macht das Ganze allerdings schwierig, weil die Fahrradfahrer grundsätzlich nicht absteigen, obwohl sie das eigentlich sollten.“

Dieter Schubert aus Aschaffenburg
Dieter Schubert aus Aschaffenburg

Klaus Roth aus Aschaffenburg

„Es gibt genügend Hinweise, dass man Rücksicht aufeinander nehmen soll. Das wird von manchen Leuten ignoriert. Ich fahre hier selbst ab und zu lang und immer defensiv langsam, weil sich das einfach so gehört. Es sind Kinder und Leute mit Hunden unterwegs. Da muss man Rücksicht nehmen, aber das macht leider nicht jeder. Wie die teilweise mit ihren Rennrädern dadurch fahren, das ist unvernünftig.“

Klaus Roth aus Aschaffenburg
Klaus Roth aus Aschaffenburg

Tanja Gerhart aus Obernau

„Ich pendle jeden Tag. Im Sommer und bei schönem Wetter ist es sehr anstrengend, weil Gruppen zusammen unterwegs sind. Ich fahre sehr defensiv, sehe aber auch andere Radfahrer, die hier schneller durchfahren. Deshalb kann ich nachvollziehen, dass die Fußgänger dann natürlich verärgert sind. Als Fußgänger würde mich das auch ärgern. Ein Problem sind aber auch die Roller morgens. Ich pendle um kurz vor acht, wenn die Schüler hier langfahren. Die sind doch manchmal ein bisschen zu flott.“

Tanja Gerhart aus Obernau
Tanja Gerhart aus Obernau