Sie halten durch: Traditionsbetriebe in der Region

PRIMASONNTAG-LAND. (ld) Es gibt sie oft seit mehreren Jahrzehnten, doch allmählich sterben sie aus: Familienbetriebe haben es heutzutage nicht leicht. Viele Kleinunternehmen mussten in den vergangenen Jahren schließen - entweder, weil sich das Geschäft nicht mehr rentierte, oder sich nach all der Zeit kein Nachfolger mehr fand. Auch Bürokratie und die aktuellen Energiepreise machen den Betrieben bei uns zu schaffen. Doch es gibt sie noch - die Familienunternehmen, die sich immer wieder neu erfinden, für ihre Idee kämpfen und die Tradition weiterführen.
Biometzgerei Hein - "Ich will Metzger werden"
Seit 1896 existiert die Metzgerei Hein im Kahlgrund – heute ein Biobetrieb, bei dem der nächste Generationenwechsel unmittelbar bevorsteht. In den 1980ern pachtete Stephan Hein eine Metzgerei in Schimborn, ehe wenige Jahre später eine eigene Metzgerei gebaut wurde. Mit der Jahrtausendwende musste der Familienbetrieb das Konzept überdenken: „Die große Veränderung war 2000, als die BSE-Krise kam und wir angefangen haben, statt konventionelle Tiere Bio-Tiere zu schlachten und verarbeiten. 2014 haben wir dann den Schritt gewagt und sind komplett auf die Bio-Produktion umgestiegen und seitdem haben wir nur noch Bio Wurst- und Fleischwaren im Verkauf“, erklärt Christian Hein. Mit 26 übernimmt er die Firma nächsten Monat offiziell: „Ich habe schon als siebenjähriger Junge gesagt: ‚Ich will Metzger werden und die Firma von meinem Papa übernehmen‘. Es wurde mir anscheinend in die Wiege gelegt.“ Trotz der hohen Kosten blickt er positiv in die Zukunft: „Man hört von vielen Leuten, dass die Zeiten schon einmal besser waren. Aber ich hoffe, es kommen nochmal bessere Zeiten als jetzt.“ Eine konkrete Idee, wie sich mehr junge Menschen wieder für das Handwerk begeistern lassen könnten, hat er auch: „Es würde Sinn machen, die Schüler ab der siebten oder achten Klasse mal ein bis zwei Wochen in ein Handwerkspraktikum zu stecken, dass sie sehen wie viel Spaß es eigentlich macht und dass nicht jeder ein Abitur oder studieren braucht, um später mal viel Geld zu verdienen.“
Bäckerei Hench - Rund 125 Jahre Tradition
Der Ursprung der Bäckerei Hench liegt eigentlich in Bürgstadt. Dort hat Ludwig Hench, der mehrere Söhne hatte, eine Bäckerei gegründet, die nicht von allen übernommen werden konnte. In der Folge machte sich 1902 Anton Hench auf den Weg nach Aschaffenburg und eröffnete ein Geschäft in der Sandgasse. Im Zweiten Weltkrieg wurde alles komplett ausgebombt und danach wieder aufgebaut. Außerdem kamen mehrere Filialstandorte dazu, weil die Nachfrage an Backwaren sehr groß war: „Der größte nächste Meilenstein war 1972, als mein Opa Rubert Hench die Backstube in Mainaschaff gebaut hat, die mein Vater übernommen hat. 2022 habe ich dann das ganze Unternehmen übernommen. Mittlerweile haben wir acht Fachgeschäfte in Aschaffenburg, Mainaschaff und Haibach“, sagt Inhaberin Veronika Hench. Neben der Corona-Pandemie hat besonders das Aufkommen der Industriebäckereien und Discounter dem Familienbetrieb zu schaffen gemacht. Sie mussten sich daraufhin umorientieren: „Das Sortiment ist vielfältiger geworden. Als mein Opa in den 70ern die große Backstube in Mainaschaff gebaut hat, ging es darum viele Bauernbrote und helle Brötchen zu backen und da wirklich auch Menge zu machen.“ Heute werden den Kunden Spezialitäten wie Buchweizen-Croissants oder Wagenradbrote mit Gewürzen aus dem Spessart angeboten. Dinge, die die Industrie nicht abbilden kann: „Mit dem Wissen, dass wir ein gewisses Preissegment dadurch bedienen müssen und häufig nicht mehr für jeden der tägliche Anlaufpunkt sein können.“, so die Inhaberin. Auch sie blickt optimistisch in die Zukunft: „Ich hoffe, dass da wo gute Arbeit geleistet wird und Menschen an einem Strang ziehen, es positiv weitergehen wird - trotz der schwierigen globalen Lage.“
Repp´s Frisch-Ei-Nudeln - Neue Ideen und Familienstolz
Die Geflügelfarm der Familie Repp läuft aktuell in der zweiten Generation, wobei Christoph und Anette Repp schon eine Übergabe an die Kinder planen, die bereits mithelfen. Angefangen hat alles Anfang der 1960er Jahre am Ortsrand von Großheubach. 1981 übernahm Christoph Repp die Farm und begann, eine Nudelmanufaktur aufzubauen. In dieser Zeit hat sich der Betrieb mehrfach weiterentwickelt – eine Eierfärberei und ein Hofladen kamen dazu – eine Schlachterei und eine Brennerei sind im Bau: „Inzwischen verkaufen wir 80 Prozent direkt, sonst würde sich unser Betrieb auch nicht mehr rentieren“, so Christoph Repp. Gekriselt hat es in den 2000er Jahren, als das Familienunternehmen wegen Investitionen in den Betrieb finanziell schlecht dastand, aber sie gaben nicht auf. Christoph Repp meint: „Du lebst mit dem Geschäft.“ Und das trifft auch auf die Töchter Betty und Tia Repp zu. Mutter Anette Repp ist stolz auf sie: „Ich finde es sehr bemerkenswert, weil ich glaube, dass es wenige junge Menschen gibt, die das mit so einer Leidenschaft und so einem Zeitaufwand machen.“ Anders als bei anderen Betrieben, gibt es hier also Nachfolger: „Irgendwie hat man von Anfang an mitgearbeitet und sucht sich dann seine Sparte. (…) Es ist schon auch ein bisschen Familienstolz und du wächst damit auf.“, erzählt Betty Repp. Was die Zukunft angeht, ist sie zuversichtlich: „Sicher sein darf man sich nie, aber gegessen werden muss ja immer. Und dann muss man eben mit der Zeit gehen und sehen, was passiert.“
Fisch Röll - Vom Hobby zum Beruf
Fisch Röll ist ebenfalls Anfang der 60er entstanden, allerdings eigentlich durch das Hobby von Burkhard Röll. Er legte im Blankenbacher Ortsteil Erlenbach Teiche an und setzte Forellen ein, um Nachbarn und Verwandte zu versorgen: „Es hat sich dann aber herumgesprochen und es sind immer mehr Anfragen dagewesen, dass er das ausgebaut und dann angefangen hatte, Gaststätten zu beliefern“, blickt der heutige Chef Harald Röll zurück. 1991 gibt der Vater an ihn ab, weil seine Geschwister etwas anderes gelernt haben. Seine Anfangszeit war aber nicht leicht: „Anfang der 90er, als ich die Firma übernommen habe, sind die Ämter gekommen und haben gesagt: ‚So wie das hier läuft, darf das nicht sein, es muss alles anders werden.‘ Also, ich musste dann quasi alles neu planen und umbauen.“ Dazu kam, dass der Großhandel eine immer größere Rolle spielte und viele Gaststätten, die bis dato von Fisch Röll beliefert wurden, schließen mussten. Neben dem Lieferservice gibt es noch den Laden in Blankenbach, der in den ersten Jahren trotz der ländlichen Lage gut gelaufen ist, doch nach und nach wurden Supermärkte zu einer immer größeren Konkurrenz. Mittlerweile ist der Forellengrill in Sommerkahl das Standbein der Firma: „Wir haben sehr viel Stammkundschaft und immer wieder neue Kundschaft – also ich kann mich da nicht beklagen.“, sagt Harald Röll. Wie es weitergeht, steht aber noch nicht fest: „Mein Sohn hat diesen Beruf erlernt, er arbeitet bei mir und könnte das morgen weitermachen vom Wissen und Können her.“ Allerdings ist ihm der Stress, alle Richtlinien der Ämter zu erfüllen, zu groß. Harald Röll wünscht sich: „Schön wäre es, wenn die Bürokratie weniger werden würde. Es muss ja alles dokumentiert werden. Die Auflagen werden immer schwieriger. Wenn das einfacher werden würde für kleine Betriebe - das wäre toll.“