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Zu wenig Wasser sorgt für mehr Verkehr

15.08.2026, 06:00 Uhr in PrimaSonntag
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BAYER. UNTERMAIN (lt). Ferien in Bayern, die Baustellen häufen sich auf der A3 und A45 und jetzt sollen auch noch mehr Lkw fahren dürfen? In Bayern wird das Fahrverbot für Lkw an Sonn- und Feiertagen gelockert. Grund dafür ist der besorgniserregend niedrige Wasserstand in den Flüssen Deutschlands. Doch wie schlimm steht es um unseren Main wirklich? 

Immer wieder wird der Wassertiefstandrekord in den Flüssen Bayerns gebrochen und die Dürre hält weiter an. „Es gilt jetzt ganz klar Vorfahrt für unsere Wirtschaft“, betont CSU-Landtagsabgeordneter Martin Stock aus Sulzbach. Sein Parteikollege Innenminister Joachim Herrmann hebt deshalb vorübergehend das Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Lastwagen auf. Ziel sei laut Martin Stock die Vermeidung von Liefer- und Produktionsengpässen. „Es geht dabei um die Versorgung von kritischen Gütern wie Treibstoff, Lebensmittel oder Rohstoffe, die aktuell nicht verschifft werden können, jedoch für die Aufrechterhaltung von Produktionsketten unbedingt notwendig sind.“ Wichtig zu wissen: Die Ausnahmeregelung soll erstmal nur bis Ende August gelten. Doch während jetzt an allen Tagen die Lastwagen über unsere Straßen rollen dürfen, kämpft der Main mit einem ganz anderen Problem. Das Wasserwirtschaftsamt schlägt Alarm.

Warnstufe 2 für den Main

„Man sollte den Main wie ein rohes Ei behandeln“, sagt Martin Rätz, stellvertretender Behördenleiter des Wasserwirtschaftsamts. Für den Main gilt inzwischen die zweite Warnstufe. Das heißt, Wasserentnahme und Baggerarbeiten sind verboten. Auf den ersten Blick wirkt der Fluss allerdings gar nicht so dramatisch. Das liegt an den Staustufen. „Der Main ist staugeregelt. Deshalb sieht man es dem Main nicht an, wie es ihm wirklich geht, aber man merkt es an den Messungen“, erklärt Rätz. Zum Beispiel liegt die Temperatur unseres Flusses bereits bei fast 30 Grad. Das ist auch fatal für Flora und Fauna. Hinzu kommt: „Der Fluss gleicht stellenweise eher einer Seenkette“, so der Experte. Eine starke Strömung sei kaum noch zu erkennen. Die Chance, dass der Main umkippt, ist jedoch zurückgegangen. Martin Rätz erklärt: „Die Sommersonnenwendewende ist bereits vorbei und die Nächte sind kühl. Das ist eine Wohltat für den Main.“ Man sollte trotz allem vorsichtig sein, denn sicher steht es um den Main nicht. 

Katastrophale Lage der Bäche

Auch die kleineren Gewässer leiden. „Bäche am Untermain haben aufgrund der Hitze ein sehr niedriges Niveau“, beschreibt Rätz die Lage. Den Niederschlag, den wir bräuchten, um die Wasserstände wieder zu normalisieren, bleibt aus: „Wir brauchen Landregen“, betont der Experte. Ein kräftiges Gewitter würde dagegen kaum helfen. „Wenn es jetzt gewittern würde, geht’s hier rund.“ Der Boden ist zu trocken und kann große Wassermengen nur schlecht aufnehmen. „Grundsätzlich kann es bei erhöhter Sonneneinstrahlung in den Gewässern zu verstärktem Algenwuchs kommen“, warnt auch der Fachbereichsleiter für Gewässeraufsicht, Monitoring, Warndienste und Altlasten Lukas Hofauer. 

Die Trockenheit hat Folgen

Die Probleme kommen nicht plötzlich. Die Trockenheit hat eine Vorgeschichte. Insgesamt fällt viel zu wenig Niederschlag. Für die Natur ist das eine Katastrophe. Besonders die Ökologie leidet unter dem anhaltenden Wassermangel. Für die Schifffahrt auf dem Main sind die Folgen bislang weniger sichtbar. Weil der Fluss aufgestaut ist, können Schiffe dort weiterhin fahren. Anders sieht es flussabwärts aus. „Die Folgen merkt man dann im Rhein. Da fehlt das Wasser“, sagt Rätz. Mehr Lkw bedeutet die Lockerung des Fahrverbots laut Landtagsabgeordneten Martin Stock allerdings nicht automatisch. Die Fahrer müssten weiterhin ihre gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten einhalten. Die Ausnahme soll vor allem ermöglichen, dass dringend benötigte Güter trotz des fehlenden Schiffsverkehrs ihr Ziel erreichen. Ob die dazukommenden Lkw bei dem ohnehin schon durch Ferien und Baustellen stockenden Verkehr auffallen, wird sich ab diesem Wochenende herauskristallisieren.