Wenn die Rampe zur Sackgasse wird

ASCHAFFENBURG / MILTENBERG (la). Mein Name ist Luis Adam, ich bin Praktikant in der Reaktion von Radio Primavera und Sit-down-Comedian. Da ich von Geburt an gehbehindert bin, weiß ich aus eigener Erfahrung: Der Ausbau der Barrierefreiheit läuft genauso langsam wie ich selbst. Ob fehlende Behindertentoiletten, ein großer Stein, der das Passieren eines Durchgangswegs mit dem Rollator unmöglich macht, oder eine Eingangstür, die eine Rollstuhlrampe komplett versperrt – auf unserem Barrierefreiheits-Check durch Aschaffenburg und Miltenberg habe ich so einiges erlebt.
Aschaffenburger Spielplatz am Rosensee
Los ging die Tour in der Straße „Am Rosensee“ in Aschaffenburg. Dort wartet ein kleiner Spielplatz darauf, von Kinderlachen erfüllt zu werden. Aber ist das Spielen hier auch für Kinder mit Einschränkung möglich? Die Antwort sehe ich schnell: Eine normale Rutsche, ein Sandkasten und zwei Schaukeln. Nichts davon ist für beeinträchtigte Kinder geeignet. Damit mich niemand falsch versteht: Ich erwarte nicht, dass jedes Gerät barrierefrei ist oder alle bereits vorhandenen ersetzt werden. Vielmehr sollte man das Angebot um inklusive Therapiespielgeräte ergänzen. Möglichkeiten dafür gibt es reichlich, beispielweise ein Kreisel, dessen ebenerdige Plattform mit dem Rollstuhl befahrbar ist. Genauso funktioniert gelebte Inklusion, denn wer schon mit den verschiedensten Behinderungsbildern konfrontiert wird, hat später umso weniger Berührungsängste.
Frohsinnstraße in Aschaffenburg

Deutlich besser abgeschnitten hat da schon die Frohsinnstraße in der Aschaffenburger Innenstadt. Bereits 2019 wurde sie von Betroffenen gemeinsam mit der Prima-Sonntag-Redaktion auf Mängel überprüft. Damals fielen vor allem Werbeaufsteller oder parkende Autos negativ auf, die das Durchkommen erschwerten. Und wie ist es heute? Zwar gibt es nach wie vor ein paar Engpässe, doch ich konnte ohne größere Schwierigkeiten die Straße entlangschlendern. Man darf jedoch nicht vergessen: Mit meinem Rollator bin ich – was die Breite anbelangt – nicht das einzig richtige Normmaß. Es gibt durchaus Menschen, die noch mehr Platz benötigen, beispielsweise mit einem breiten Rollstuhl.
Parkplatz Aschaffenburg-Damm
Wo allerdings gar kein Platz geboten ist, ist auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums am Nordring. Leserin Christine Kneisel hat uns auf die Stelle aufmerksam gemacht: „Ich bin gehbehindert und auf einen Rollator angewiesen - man kann diesen Weg nicht durchgehen.“ Ein Parkplatz? Der sollte doch eben sein! Ja, das ist er auch, aber: Ein großer Stein versperrt einen Durchgangsweg, über den man schnell zu zwei Läden gelangt. Mit dem Rollator hindurchkommen? Keine Chance! Und selbst mit meinen Gehstöcken wird es hier extrem eng.
Aschaffenburger Parkhaus Luitpoldstraße
Wir haben im Parkhaus in der Aschaffenburger Luitpoldstraße geparkt und wollen zum Bezahlen gehen. Hier gibt es sogar eine Rampe. Der Pfosten auf der Rampe stört ein bisschen, aber sobald ich diese hochgehe, ist sowieso Schluss. Die Tür ist nicht automatisch und vor allem geht Sie in die falsche Richtung auf - sie versperrt den Weg. Soll ich jetzt die Rampe wieder hinten runterfahren?
Toiletten in Miltenberg

Wir suchen eine Behindertentoilette in Miltenberg: Erste Station ein Parkplatz – hier gibt es eine Toilettenanlage, aber leider ohne Behindertenklo. Nächstes Häuschen - zwar schick verkleidet, aber auch hier keine Toilette für mich. Beim dritten Anlauf haben wir etwas gefunden. Leider gibt es hier keine automatische Tür und sie geht sehr schwer auf – ich habe keine Chance die Tür allein zu öffnen. Haltegriffe an der Toilette sind da, viel Platz ist auch da, das ist gut, allerdings fällt mir direkt der Handlüfter auf. Für mich keine Option: Dafür brauch man beide Hände frei. Papiertücher tun es doch auch – auch wenn es nicht so doll für die Umwelt ist.
Miltenberger Bahnhof
Größtenteils vorbildlich dagegen ist der Miltenberger Bahnhof. Rampen und Aufzüge sind vorhanden. Ich kann sogar bestätigen, dass ich mit einem funktionierenden Aufzug gefahren bin, was in deutschen Bahnhöfen ein rares Gut ist. Falls der Aufzug, dann doch mal nicht funktioniert, hängt dort eine Telefonnummer, wo man weitergeholfen bekommen soll. Auch ist das Gebäude mit Leitstreifen für blinde Menschen versehen.
