Wer dreht uns den Wasserhahn zu?

BAYER. UNTERMAIN (mg). In vielen Kommunen stehen die Zeichen inzwischen auf Rot: Wasserampeln warnen vor zu hohem Verbrauch und rufen zum Sparen auf. Doch wer genau soll eigentlich den Wasserhahn zudrehen - private Haushalte, die im Sommer ihre Gärten bewässern? Landwirtschaft und Winzer, die auf stabile Ernten angewiesen sind? Oder Unternehmen, die Wasser als Produktionsgrundlage benötigen? Spätestens seit den trockenen Sommern der vergangenen Jahre wird deutlich, dass auch in Deutschland Wasser keine unerschöpfliche Ressource ist. Sinkende Grundwasserstände, zu warmes Wasser im Main und immer häufigere Trockenperioden verschärfen die Lage zusätzlich. Doch Wasser ist nicht gleich Wasser. Wir schaffen einen Überblick und wollen die Zusammenhänge aufzeigen. Wichtig dabei: Wasser gehört niemanden – so ist es zumindest rechtlich geregelt.
Wer Wasser aus Flüssen oder dem Grundwasser nutzen möchte, benötigt grundsätzlich eine behördliche Erlaubnis. Die beantragten Mengen werden fachlich geprüft und mit Bedingungen versehen. Die Genehmigungen sind zeitlich befristet und können bei veränderten Rahmenbedingungen widerrufen werden. Martin Rätz, stellvertretender Behördenleiter beim Wasserwirtschaftsamt macht deutlich: Der Klimawandel ist Realität - wie sich seine Folgen im Detail entwickeln, lässt sich jedoch nicht sicher prognostizieren. Deshalb vergeben die Behörden Wasserrechte heute oft nur noch für kürzere Zeiträume als früher, um auf veränderte Bedingungen flexibel reagieren zu können. „Während wir früher in unseren Gutachten als Beispiel eine Laufzeit von 15 Jahren vorgeschlagen haben, empfehlen wir heute nur noch fünf Jahre, weil wir einfach nicht wissen, wie sich die Welt durch den Klimawandel weiterentwickelt“, so Martin Rätz. „Wer Wasser haben möchte, muss plausibel darlegen, wofür und wie viel er braucht. Man kann nicht einfach etwas bunkern.“ Eine Ausnahme gilt lediglich für das Schöpfen von Wasser aus oberirdischen Gewässern, mit einem Eimer oder ähnlichen Gefäßen. Dieser sogenannte Gemeingebrauch ist ohne Genehmigung erlaubt. Sobald jedoch Pumpen oder andere technische Anlagen eingesetzt werden, ist eine wasserrechtliche Genehmigung erforderlich.
Badewannentemperatur im Main
Wer an den heißen Tagen mal die Füße in den Main gehalten hat, um dort eine Abkühlung zu finden, wurde enttäuscht. Statt kühlem Nass trifft man auf Badewannentemperatur. Die Hitzewelle sorgte für einen stetigen Temperaturanstieg des Wassers – bis zu 30 Grad wurden an manchen Stellen gemessen und das stellt ein großes Problem dar: Warmes Wasser enthält weniger Sauerstoff, wodurch Fische und andere Wasserlebewesen leiden. Doch dabei bleibt es nicht: „Was wir jetzt im Moment nicht gebrauchen könnten, sind Starkniederschläge, die viel Erde und somit organische Stoffe in den Main spülen“, so Martin Rätz. Doch gerade nach Hitze folgen immer häufiger extreme Niederschläge. Statt Wasser bringen diese zusätzliche Probleme - Erde und organisches Material wird in den Fluss gespült und der Abbau verbraucht weiteren Sauerstoff. Hilfreicher wäre stattdessen Landregen - also langanhaltenden, gleichmäßigen Dauerregen meist über sechs Stunden hinweg - der den Main kühlt und Wasser nachliefert. Doch bei der Hoffnung auf den richtigen Regen ist natürlich nicht Schluss: Gewerbebetriebe werden vom Wasserwirtschaftsamt aufgefordert, Arbeiten zu unterlassen, die unnötigerweise weitere Stoffe in den Main bringen und beim Abbau zusätzlich Sauerstoff verbrauchen.

Probleme liegen in der Tiefe
Grundwasser liegt nicht einfach unter der Erde in einer Schicht. Im Untergrund können mehrere wasserführende Stockwerke übereinander liegen, die durch dichte Schichten aus Ton, Lehm oder Mergel voneinander getrennt sind. Gerade tiefere Grundwasserstockwerke reagieren oft verzögert auf Regen und Trockenheit - sind die Pegel dort einmal niedrig, erholen sie sich meist nur langsam. Und gerade diese tieferen Vorkommen in unserer Region zeigen in den Messdaten niedrige Stände mit teilweise Rekordwerten an. Nur ein Teil des Regenwassers gelangt ins Grundwasser - der Rest verdunstet, wird von Pflanzen aufgenommen oder fließt oberirdisch ab: „Das ist nicht mit zweimal Regen getan, sondern das muss über das ganze Jahr betrachtet werden. So wie wir jetzt drei trockene Jahre hatten, bräuchten wir auch drei nasse Jahre“, so Rätz.

Wasser sparen in der Gärtnerei
Nicht nur Bürger werden dazu aufgerufen, Trinkwasser zu sparen und etwa auf die Rasenbewässerung mit Leitungswasser zu verzichten, auch die Unternehmen in unserer Region sind betroffen. In der Gärtnerei Löwer in Mömlingen wird Wasser deshalb möglichst effizient eingesetzt und wenn es geht, wiederverwendet. Je nach Standort kommen unterschiedliche Bewässerungssysteme zum Einsatz - von fest installierten Sprinklern über automatische Tischbewässerung bis hin zu geschlossenen Kreisläufen, bei denen überschüssiges Wasser gefiltert und erneut genutzt wird. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Regenwasser: In Teichen und großen Zisternen gesammelt, wird es zur Bewässerung der Pflanzen verwendet. Nur wenn es längere Trockenperioden gibt, muss auf Leitungswasser zurückgegriffen werden. Entscheidend sei außerdem der richtige Zeitpunkt beim Gießen: „Das ist daheim auch wichtig. In der prallen Mittagssonne ist es natürlich nicht so sinnvoll, wie wenn man es morgens oder abends macht“, so Benedikt Iglesias, Marktleiter der Gärtnerei Löwer in Mömlingen. Zusätzlich helfen einfache Maßnahmen wie Bewässerungssäcke oder Tonkegel: „Die kann man füllen und dann wird nach und nach Wasser abgegeben“, sagt Iglesias.
Mineralwasser aus der Quelle
Wer im Spessart regelmäßig unterwegs ist, hat es vielleicht schon selbst erlebt: Beim letzten Spaziergang plätscherte die kleine Quelle am Wegesrand noch munter vor sich hin - wenige Wochen später ist sie plötzlich versiegt. Fällt dann kräftiger Regen, kann sie schon ein oder zwei Tage später wieder sprudeln. Quellen reagieren schneller auf Niederschlag oder Trockenperioden, da sie sich aus den oberen Stockwerken des Grundwassers speisen. Für die Trinkwasserversorgung sind solche Quellen deshalb ungeeignet, weil sie leichter mit Keimen oder anderen Verunreinigungen belastet werden können - deshalb wird meist auf Quellen mit tieferem Ursprung zurückgegriffen. Unternehmen, die Mineralwasser fördern, sind auf intakte Quellen angewiesen. Dabei geht es nicht nur um ausreichende Wassermengen, sondern auch um Qualität und langfristigen Quellschutz. So auch die Spessartwald Getränke GmbH. Die genutzte Quelle liegt bei Waldaschaff, mitten im Naturpark Spessart. Trotz der aktuellen Trockenheit sprudelt die Quelle: „Die Verfügbarkeit oder Qualität des Quellwassers am Standort Waldaschaff hat sich nicht verändert“, so Dr. Max M. Weber, Betriebsleiter Brauerei und Mineralbrunnen. Einen Ressourcenkonflikt sieht die Firma nicht: „Es gibt keine uns betreffende Nutzungskonflikte oder unterschiedliche Interessen in der Region.“

Der Tropfen im Weinberg
Tröpfchen für Tröpfchen bis zum edlen Wein ist das Motto in den Mechenharder Weinbergen. Im Weinbau spielt ein sparsamer Umgang mit Wasser eine zentrale Rolle. Das Weingut Dieter Zeller aus Mönchberg bewirtschaftet 2,5 Hektar Steillagen in Klingenberg und Erlenbach und setzt bei der Bewässerung auf einen eigenen Tiefbrunnen. Das Wasser wird in den Weinberg gebracht und dort über Tröpfchenbewässerung ausgegeben. „In die Rebzeilen werden Schläuche verlegt, die etwa alle halbe Meter kleine Öffnungen haben. Aus denen tropft das Wasser direkt an die Rebstöcke. Dadurch wird es nicht großflächig verteilt, sondern dringt langsam und gezielt tief in den Boden ein“, so Zeller. „In den Weinbergen bewässern wir auch nur die jüngeren Pflanzen, also die, die wir in den letzten fünf Jahren gepflanzt haben. Die Älteren sind so tief gewurzelt, dass sie eigentlich kein Wasser brauchen.“
Fazit: Zwischen Schutz und Nutzung
Seit diesem Monat erhebt Bayern mit dem sogenannten Wassercent ein Entgelt auf bestimmte Wasserentnahmen. Ziel ist ein bewussterer Umgang mit der Ressource und die Finanzierung von Gewässerschutzmaßnahmen. Für Unternehmen kann das zusätzliche Kosten bedeuten, Umweltverbände sehen darin zugleich ein Signal für mehr Wertschätzung gegenüber der Ressource Wasser. Gleichzeitig wächst der Druck auf die regionalen Wasserversorger: längere Trockenphasen, steigende Temperaturen und ein höherer Verbrauch im Sommer - etwa durch Gartenbewässerung, Pools oder häufigeres Duschen - verschärfen die Situation. Mit Blick auf die Zukunft rechnet Martin Rätz mit zunehmenden Nutzungskonflikten und Versorgungsengpässen und appelliert an eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Klar ist schon heute: Wasser wird zu einer der wichtigsten Ressourcen der Zukunft. Die Frage, wem das Wasser gehört, lässt sich zwar juristisch beantworten - praktisch wird sie jedoch immer häufiger zu einer Frage des Ausgleichs zwischen Versorgung, Wirtschaft und Naturschutz. Denn je knapper Wasser wird, desto wichtiger wird die Entscheidung, wie wir damit umgehen.
Straßenumfrage: Spart ihr Wasser?
Frank aus Obernau:
"Ich selber mache mir da auch viele Gedanken. Ich habe ein Tiny House und verbrauche ca. 20 Kubik Wasser im Jahr. Ich versiegele auch keinen Boden. Das ist für mich ein ganz wichtiger Punkt. Ich glaube, täglich werden immer noch in Bayern über 100 Fußballfelder versiegelt und das muss aufhören.“
Christian Brünner aus Aschaffenburg:
„Man hat eine ganz normale Toilettenspülung, wo man vielleicht auch die kleine Taste drücken kann, damit nicht so viel Wasser hinauskommt. Ansonsten, man muss ja nicht ständig in die Badewanne - da geht man lieber duschen. Aber bei uns im Haushalt gibt es da sonst keine Möglichkeit weiter zu sparen.“
Heike und Dieter Görbing aus Bürgstadt:
„Wie man Wasser spart? Nicht dreimal am Tag duschen, auch ein bisschen überlegen, wie lange das Wasser läuft und es zwischendurch mal ausmachen. Und ansonsten nicht mit der Hand spülen, sondern die Spülmaschine benutzen und die gut bestücken. Garten nur mit Regenwasser gießen. Man muss halt vorher vorsorgen, dass man immer genug Regenwasser parat hat.“
Gertrud Kaufmann aus Aschaffenburg:
„Es ist wichtig, sorgfältig mit dem Wasser umzugehen. Auch das Wasser zuerst nutzen, das noch nicht heiß ist, bevor man warmes nimmt. Außerdem kann man Regenwasser zum Blumengießen verwenden.“
Jutta und Stefan aus Nilkheim:
„Ich dusche nicht, sondern mache nur ein bisschen Wasser rein in die Badewanne, beim Gießen nehme ich die Kanne und mache es punktuell. Und für die Männer: Da verzichtet man auf das Autowaschen. Das ist Luxus und muss ja wirklich nicht sein. Es wird auch nur eine Frage der Zeit sein, weil das wahrscheinlich verboten wird.“



