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"Das geht an die Substanz"

23.08.2026, 00:00 Uhr in PrimaSonntag
KW34 Kaninchen ausgesetzt

HÖRSTEIN/ALZENAU (ms/ld). Es war ein trauriges und erschütterndes Bild, das sich der Tierrettung Untermain vor ein paar Tagen in Hörstein bot. Am Waldrand zwischen Büschen und Gestrüpp entdeckten Spaziergänger Kaninchen und Hasen – einige tot, manche noch am Leben. Wie sich herausstellen sollte, wurden die Tiere offenbar von einem überforderten Besitzer ausgesetzt und dann sich selbst überlassen.

Im Austausch mit den Spaziergängern wurde schnell klar, dass es sich bei den Tieren wegen der Fellfarbe nicht um freilebende Hasen, sondern um Haustiere handelt. Die Rede war zunächst von etwa drei bis vier erwachsenen Hasen und einigen Jungtieren. Als die ersten Helfer eintrafen, entdeckten sie im dichten Gebüsch schon nach kurzer Zeit einen winzigen Hasen. „Das war ein ganz kleiner, ein paar Wochen alt vielleicht“, erzählt Stefanie Jungwirth von der Tierrettung Untermain. Der Zustand des Tieres war sehr ernst. Es war massiv dehydriert und überhitzt. Das Team begann, das Gelände nach weiteren Tieren systematisch zu durchkämmen. Sie fanden ein totes Kaninchen nach dem anderen. Doch einige erwachsene Hasen hatten die Tortour überlebt und wurden vor Ort verpflegt. Sieben Stunden lang war die Tierrettung im Einsatz. Am Ende konnten immerhin sieben Kaninchen lebend gerettet werden – acht Jungtiere starben. Wie lange die Kaninchen schon ausgesetzt waren, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, weil die massive Hitze den Tieren sehr schnell zusetzen kann. Es gibt aber Hinweise darauf, dass sie erst am Tag oder in der Nacht zuvor dort ausgesetzt wurden. 

Nachwuchs im Tierheim

Die geretteten Tiere wurden schließlich in die Obhut eines Tierheims übergeben. Dort kamen sie zunächst in Quarantäne: „Denen ging es dann entsprechend gut. Sie waren natürlich überhitzt und gestresst, durstig ohne Ende und hungrig“, erzählt Stefanie Jungwirth. Zwei der geretteten Tiere haben dort inzwischen ihre Jungen zur Welt gebracht. Einige der Kleinen haben es aufgrund der schwierigen Umstände zwar nicht geschafft, der verbliebene Nachwuchs entwickelt sich aber unter enger Beobachtung weiter. Im Tierheim werden die Jungtiere jetzt intensiv versorgt. Nur wie kann jemand so viele hilflose Kaninchen und Hasen sich selbst überlassen? Stefanie Jungwirth meint: „Es gibt Leute, die einfach finanziell überfordert sind. In diesem Fall würde ich fast dazu tendieren, davon auszugehen, dass da jemand so eine kleine Hobbyzucht hatte. Es wurde alles zu viel, zu teuer und man kann die Tiere heute nicht mehr so gut vermitteln, weil die Nachfrage nicht mehr so hoch ist wie früher.“ Trotzdem war das Aussetzen falsch. Der Ex-Besitzer hätte sich direkt an das Tierheim wenden können: „Natürlich ist es so, dass man auch eine Abgabegebühr zahlen muss, aber das Tierheim lässt ja auch mit sich reden und man kann da mit Sicherheit eine gemeinsame Lösung finden, bevor so etwas passiert“, versichert Jungwirth. 

Der Tod ist keine Option

Die Tierrettung Untermain hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet: „Die Strafe ist immer Ermessenssache und von den Gerichten abhängig. Das kann aber auf jeden Fall eine Haftstrafe nach sich ziehen und eine sehr hohe Geldstrafe.“ Das Aussetzen von Tieren ist Tierquälerei. Für die Helfer ist ein Einsatz wie dieser ebenfalls belastend, erklärt Stefanie Jungwirth: „Es ist auch für uns sehr schwierig, solche Situationen zu erleben. Das geht psychisch an die Substanz, was man da zu sehen bekommt, und macht wahnsinnig traurig. Und man möchte immer nur an die Leute appellieren: Bitte handelt anders, bitte sucht euch Hilfe und trefft nicht solche drastischen Entscheidungen! Kein Tier kann etwas dafür, wenn man selbst es nicht mehr zuhause haben möchte oder haben kann. Es sich selbst und damit dem Tod zu überlassen ist keine Option!“