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Alles Worscht oder was?

30.08.2026, 06:00 Uhr in PrimaSonntag
Collage Schlachthof 800 x 500

ASCHAFFENBURG (mg). Der alte Schlachthof in Aschaffenburg ist Geschichte. Nach schweren Verstößen gegen den Tierschutz geriet er 2023 bundesweit in die Schlagzeilen. Seit Mitte diesen Jahres ist der Betrieb nun endgültig geschlossen. Doch die Frage, wo künftig in und um Aschaffenburg geschlachtet werden soll, ist damit längst nicht beantwortet. Für die Landwirte in der Region ist die Suche nach einer neuen Lösung dringend. Lange Transportwege zu anderen Schlachtbetrieben bedeuten für sie großen Aufwand und sind auch für die Tiere eine zusätzliche Belastung. Eine regionale Genossenschaft namens „MainLand Fleisch eG“ plant den Neubau eines Schlachthofs in unserer Region. Wir haben mit den Initiatoren Metzger Marco Häuser und Tierarzt und Landwirt Dr. Guido Steinel vom Grünland Spessart e.V. gesprochen. Auch Aschaffenburgs Oberbürgermeister Markus Schlemmer und Alina Eckendörfer vom SOKO Tierschutz e.V. kommen zu Wort. Die Idee für einen neuen Schlachthof steht also im Raum – doch die größte Hürde dabei ist derzeit die Finanzierung.

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„Wir haben alle notwendigen Unterlagen und Prüfungen bereits durchlaufen. Letztendlich fehlt noch der Schritt, die Gesellschaft oder die Genossenschaft notariell eintragen zu lassen“, so Marco Häuser, „Das wollen wir aber erst tun, wenn wir wirklich eine Perspektive haben, das Projekt Schlachthof Neubau auch umzusetzen.“ Grade fehlt für das genossenschaftliche Vorhaben der MainLand Fleisch eG noch eine stehende Finanzierung. Etwa 10 Millionen Euro würde ein neuer Schlachthof kosten: „Ein wichtiges Standbein ist einfach das Thema der Zuschüsse. Hier sieht unser Businessplan vor, dass wir bis zu 40% Zuschüsse landen müssen, damit wir es wirtschaftlich sinnvoll darstellen können.“ Doch die Suche nach Zuschüssen ist ein Auf und Ab. Eine frühere mögliche Förderung von maximal zwei Millionen Euro hatte für das Vorhaben nicht ausgereicht. Nun soll es eine neue Perspektive geben: Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber habe für die kommende Förderperiode eine Unterstützung in Höhe von 3,5 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Weitere rund 500.000 Euro müssten demnach noch über andere Fördergeber eingeworben werden. Eine endgültige Förderzusage liegt allerdings noch nicht vor. 

Mehr Transparenz

Der geplante Neubau soll eine Alternative zu den aktuell langen Transportwegen schaffen und die regionale Versorgung sichern.„Es geht nicht darum, dass wir kein Steak mehr bekommen. Das kriegen Sie“, erklärt Guido Steinel. Vielmehr gehe es darum, die Verbindung zwischen Landwirten, Metzgern und regionalen Verarbeitern zu erhalten und damit kleineren landwirtschaftlichen Betrieben eine Perspektive zu geben. Das Projekt soll auch beim Tierschutz neue Maßstäbe setzen. Ein zentraler Ansatz ist dabei mehr Transparenz: Geplant sind digitale Kontrollmöglichkeiten, mit denen die Abläufe im Schlachthof dokumentiert und im Nachhinein nachvollzogen werden können. So soll unter anderem überprüfbar sein, ob die einzelnen Schritte vom Eintreffen der Tiere über die Betäubung bis zur Schlachtung ordnungsgemäß ablaufen. Gleichzeitig soll auch beim Personal angesetzt werden. „Wir wollen, dass die Leute, die dort arbeiten, auch fest angestellt sind“, sagt Steinel. Denn gerade Zeitdruck, mangelnde Schulung oder personelle Wechsel könnten laut Steinel dazu beitragen, dass Tierschutzvorgaben nicht eingehalten werden. Mit festen Mitarbeitern, klaren Vorgaben und einer besseren digitalen Kontrolle soll das bei einem neuen Schlachthof von Anfang an verhindert werden.

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„Regionalität bedeutet nicht mehr Tierwohl“

Doch grade beim Thema Tierschutz gehen die Meinungen über einen neuen Schlachthof auseinander. Der Skandal von 2023 hat laut dem Verein SOKO Tierschutz gezeigt, dass bestehende Kontrollmechanismen nicht ausreichten. Aufnahmen des Vereins dokumentierten damals schwere Verstöße gegen den Tierschutz. Für die Organisation stellt sich deshalb auch bei einem möglichen Neubau die Frage, wie unabhängig und wirksam Kontrollen und Kameras tatsächlich sind. SOKO Tierschutz kritisiert zudem, dass die Vorgänge rund um den Schlachthof aus Sicht des Vereins noch nicht ausreichend aufgearbeitet seien. „Regionalität bedeutet nicht mehr Tierwohl“, sagt Alina Eckendörfer vom SOKO Tierschutz Verein, „Wenn die Verbraucherinnen und Verbraucher wirklich mal sehen, wie es dort zugeht, glauben wir, dass auch mehr Leute dieses System grundsätzlich hinterfragen würden.“ Der Verein fordert deshalb keine besseren Schlachthöfe, sondern langfristig eine Gesellschaft, die ohne Schlachtung auskommt.Entscheidend sei laut dem Verein deshalb die grundsätzliche Frage, wie der Mensch Tiere sehe: „Wenn man einfach Tiere als Mitgeschöpfe von uns sieht und auch anerkennt, dass Tiere genauso leiden und fühlen wie wir Menschen, dann ist es nicht vereinbar, dass diese Tiere für uns sterben.“

Kein Schlachthof in der Stadt

Ob ein neuer Schlachthof in unserer Region gebaut wird, wird sich zeigen, aber eins ist klar – definitiv nicht mehr in Aschaffenburg. „Wir haben vom Stadtrat die Entscheidung bekommen, dass wir kein Grundstück für den Schlachthof in der Stadt zur Verfügung stellen und dementsprechend auch nicht die Gespräche aufnehmen, um eventuell einen Pachtvertrag zu verlängern“, berichtet Oberbürgermeister Markus Schlemmer, „Ich sehe uns momentan raus aus der Sache. Die Unterpachtverträge laufen jetzt noch Ende des Jahres und dann ist es abgewickelt.“ Schlemmer räumt ein, dassfür die Landwirte kurze Wege und ein guter Schlachtbetrieb in der Region natürlich wichtig sind - direkt in der Innenstadt müsse der Schlachthof aber nicht liegen. Auf die Frage, was auf dem freiwerdenden Gelände entstehen könnte, antwortet Schlemmer: „Es ist auf jeden Fall nach Bebauungsplan als Gewerbegebiet einzustufen und daher nicht für die Wohnnutzung gedacht. Ich sage mal, es ist natürlich ein Sahnestückchen direkt in der Nähe vom Südbahnhof und in Stadtnähe. Also ich habe da keine Zweifel, dass wir eine gute Nachnutzung finden werden.“

Klarheit bis zum Jahresende

Die kommende Zeit soll genutzt werden, um die Planung voranzutreiben und die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen. „Aber wir möchten definitiv bis spätestens Ende dieses Jahres eine finale Entscheidung haben, ob wir das Projekt weiter vorantreiben“, so Häuser. „Wir werden das Projekt nicht mehr weiterverfolgen, wenn wir merken, dass es politisch zu wenig Unterstützung gibt. Dann scheint es nicht wichtig und gewollt zu sein. Im Moment haben wir da wieder ein bisschen Luft unter die Flügel gekriegt und freuen uns auf die nächsten Gespräche und Termine auf politischer Ebene, um da einfach was voranzubringen.“