"Wir haben es selbst verbockt"

ASCHAFFENBURG (to). Am Ende der Regionalliga-Saison steht Viktoria Aschaffenburg auf Platz 17 – einem direkten Abstiegsplatz. Offiziell abgestiegen ist der Verein aber noch nicht. Die Weiß-Blauen halten sich an einem letzten Strohhalm fest, und der hängt ausgerechnet an Greuther Fürth. Denn Fürth II landete in der Regionalliga vor der Viktoria auf Platz 16, also auf dem Relegationsrang. Sollte aber die erste Mannschaft der Fürther in der Zweitliga-Relegation gegen Rot-Weiss Essen absteigen, müsste auch die zweite Mannschaft aus der Regionalliga runter. Aschaffenburg würde dadurch einen Platz nach oben rutschen und plötzlich doch noch zwei Relegationsspiele um den Klassenerhalt bekommen. Das Hinspiel am Freitag konnte Essen mit 1:0 für sich entscheiden. Das Rückspiel steht am Dienstag an. Klar ist: Gewinnt Greuther Fürth nicht, spielt Viktoria Aschaffenburg am 29. Mai und am 2. Juni gegen den ASV Cham
Der verpasste Befreiungsschlag
Hartmann spricht nicht lange um den heißen Brei. Die Viktoria hatte die Rettung selbst in der Hand und hat sie liegen lassen. Besonders das Auswärtsspiel in Buchbach bleibt hängen. „Da musst du gewinnen, wenn du nicht absteigen willst“, sagt er. Mit drei Punkten dort hätte Aschaffenburg durch die Schützenhilfe aus Vilzing den Klassenerhalt geschafft. Das 0:5 gegen Bayern München II am letzten Spieltag ordnet Hartmann etwas anders ein. Gegen diese Mannschaft könne man verlieren, sagt er. Die jungen Bayern seien fußballerisch „auf einem anderen Niveau“ gewesen. „Ob du in der Höhe verlieren musst, weiß ich nicht.“ Buchbach aber war aus seiner Sicht das Spiel, das die Viktoria hätte ziehen müssen. Stattdessen blieb Platz 17. „Wir haben es selbst verbockt.“ Nach 13 Punkten aus den ersten 20 Spielen kamen zwar noch einmal 13 Punkte aus den letzten 14 Spielen dazu, der Rückstand aus der ersten Saisonhälfte war am Ende zu groß.
Arbeit im Hintergrund
Seit November führt Hartmann den Verein gemeinsam mit Felix Magath und Marco Fecher. Damals war nicht nur die sportliche Lage angespannt. Auch finanziell musste schnell gearbeitet werden. Aus einem zunächst genannten Defizit von 180.000 Euro wurden durch weitere Belastungen am Ende rund 250.000 Euro. Inzwischen ist diese Summe nach Angaben des Vorstands auf etwa 80.000 Euro reduziert. „Unser Ziel war, auf Null zu kommen“, erklärt Hartmann. Ganz geschafft ist das noch nicht, aber die Lage ist deutlich besser als vor einem halben Jahr. Für ihn war die wichtigste Aufgabe, eine Insolvenz zu verhindern. „Das hätte den Verein nochmal um Jahre zurück katapultiert.“ Parallel sucht die Viktoria weiter nach einem neuen Hauptsponsor für die kommende Saison.
Erwartungen und Realität
Mit Felix Magath kam im November ein großer Name an den Schönbusch. Damit waren auch große Erwartungen verbunden. Hartmann bremst überzogene Hoffnungen aber bewusst. „Auch ein Felix Magath kann keine Wunder vollbringen“, stellt er klar. Magaths Know-how im Hintergrund sei „extrem viel wert“, gerade auch bei der Verpflichtung von Trainer Felix Luz. Trotzdem lassen sich nicht alle Probleme in wenigen Monaten lösen. Vor allem ein Stürmer fehlte weiter. „Wir wussten, dass wir einen Stürmer brauchen.“ Gesucht wurde ein Spieler mit Regionalliga-Qualität, der zur Viktoria passt und bezahlbar ist. „Das sind drei Faktoren, die nicht zusammengepasst haben.“ So war der Kaderumbau im Winter wichtig, aber nicht komplett.
Ein Rückschlag, aber kein Untergang
Für die kommende Saison plant die Viktoria nun zweigleisig. Noch ist offen, ob der Verein doch noch in der Regionalliga bleibt oder in die Bayernliga muss. Klar ist aber: Trainer Felix Luz geht auch eine Liga tiefer mit. „Das Trainerteam geht mit in die Bayernliga, so wie es ist“, bestätigt Hartmann. Auch Kapitän Benjamin Baier hat sich bereits zur Viktoria bekannt. Für den Vorstand ist das ein wichtiges Signal, gerade weil Baier als Führungsspieler vorangeht. Felix Magath und die Vorstandschaft bleiben unabhängig von der Liga an Bord. „Wir haben uns zu diesem Verein committed, egal wo er spielt.“ Ein Abstieg wäre emotional bitter, kann aber auch eine Chance sein, die Mannschaft zu verjüngen und neu aufzubauen. Der Wiederaufstieg bleibt das Ziel, aber nicht zwangsläufig im ersten Jahr. Zunächst geht es darum, eine Mannschaft zu formen, die wieder dauerhaft regionalligatauglich ist. Den Fans will Hartmann vor allem eines mitgeben: „Die Welt geht nicht unter. Der Verein wird nicht untergehen.“