• Frequenzen: 100,4 & 99,4 & 90,8
  • Funkhaus Tel 06021 – 38 83 0
  • Stauhotline 0800 – 66 66 400
  • Kontakt

On Air

Jetzt anhören

Wir zeigen die Schönheit des Schöntals

10.05.2026, 06:00 Uhr in PrimaSonntag
Collage Schoental 800 x 500

ASCHAFFENBURG (wk). Mitten in der Aschaffenburger Innenstadt liegt ein Ort, der für viele mehr ist als nur ein Park. Der Schöntalpark ist Rückzugsort, Treffpunkt und Naturerlebnis zugleich - ein Stück Grün, das seit Generationen genutzt wird, sich immer weiter verändert und für viele ganz bewusst ein Ort zum Gern-Hingehen ist. Bis zu dem Tag, der einen dunklen Schatten über unseren Park warf. Der 22. Januar 2025 veränderte die Stadt und gab vielen Menschen im Anschluss ein mulmiges Gefühl, wenn sie durch den Park gingen. 

Wir wollen mit diesem Park-Portrait die Schatten vertreiben. Zwischen alten Magnolien, freilebenden Tieren und versteckten Geschichten zeigt sich, warum der Schöntal für viele einer der schönsten Orte der Stadt und Wohlfühl-Oase ist. Und auch mit dem geplanten Gedenkort soll deutlich werden: Der Schöntalpark steht für Erinnerung, aber vor allem auch für Leben, Begegnung und Lebensqualität mitten in der Stadt.

Historie

Der Schöntalpark blickt auf eine lange Geschichte zurück und gehört dabei in eine besondere Kategorie. Angelegt wurde er um 1780 von Kurfürst Carl von Erthal als englischer Landschaftsgarten, gestaltet von keinem Geringeren als Friedrich Ludwig von Sckell, der unter anderem auch den Englischen Garten in München prägte. „Wir sind da in derselben Kategorie“, sagt Timo Rausch, Leiter des Garten- und Friedhofsamts der Stadt Aschaffenburg. Seit den 1970er-Jahren hat sich an der Grundstruktur des Parks wenig verändert. Dennoch ist er kein statisches Gebilde: Pflanzen werden ausgetauscht, neue Arten getestet, er entwickelt sich stetig weiter. „Der Park ist wandelbar“, so Rausch. „Es muss nicht immer genau dieselbe Pflanze am selben Ort stehen.“

KW17 Schoental1
KW17 Schoental2

Berühmtes Natur-Highlight: Der Magnolienhain

Ein echtes Alleinstellungsmerkmal des Schöntalparks ist der Magnolienhain – der größte in ganz Bayern. Insgesamt stehen hier 42 Magnolien, viele davon zwischen 80 und 100 Jahre alt. „Es ist einfach Wahnsinn, wenn die blühen“, beschreibt Rausch die Atmosphäre im Frühjahr. Doch die Beliebtheit bringt auch Probleme mit sich. Immer wieder kommt es vor, dass Besucher die Bäume betreten oder Äste abbrechen. „Es wurden leider nicht nur kleine Kinder, sondern auch Erwachsene auf den Bäumen gesehen“, sagt Rausch. Gleichzeitig wird der Bereich weiterentwickelt: Noch im Mai soll im Magnolienhain ein neuer Trinkbrunnen eingeweiht werden – ein weiterer Schritt, den Park attraktiver und gleichzeitig nachhaltiger zu gestalten.

KW17 Schoental3
KW17 Schoental9

Die unsichtbare Arbeit: Pflege und Personal

Was viele Besucher nicht sehen: Hinter dem gepflegten Erscheinungsbild des Parks steckt viel Arbeit. Eine eigene Gärtnerkolonne ist ausschließlich für den Schöntalpark zuständig. „Die Gärtnerkolonne besteht fest aus vier Personen plus zwei Saisonkräfte“, so Rausch. Die Mitarbeitenden sind jeden Tag im Einsatz, auch an Wochenenden. Ihre Aufgaben reichen von der Pflege der Grünflächen bis zur Müllbeseitigung. Gerade letzteres ist eine ordentliche Herausforderung: „Müll ist das größte Thema, das wir haben. Die Arbeit, die unsere Gärtner reinstecken, wird oft übersehen“, sagt Rausch. 

KW17 Schoental24
KW17 Schoental Foto Timo Rausch
KW17 Schoental13

Lernen im Park: QR-Codes und Baumwissen

Wer durch den Park spaziert, entdeckt an vielen Bäumen kleine QR-Codes. Dahinter steckt ein digitales Informationssystem, den Besuchern zusätzliche Einblicke ermöglicht. „Wenn wir die Bäume schon nummerieren, wollten wir auch einen Mehrwert schaffen“, erklärt der Gärtner. Aktuell liefern die Codes Informationen zur Baumart und teilweise zur Größe. Perspektivisch sollen die Inhalte weiter ausgebaut werden. Gleichzeitig dienen die Codes auch der internen Verwaltung, etwa im Baumkataster der Stadt.

KW17 Schoental20
KW17 Schoental5
KW17 Schoental18

Freizeit und Nutzung: Ein Park für alle

Der Schöntalpark wird von allen Menschen genutzt und genau das macht ihn so besonders. „Das Publikum ist komplett bunt“, sagt Rausch. Ob Spaziergang, Lernen, Spielen oder einfach nur eine kurze Pause im Grünen – der Park erfüllt viele Funktionen gleichzeitig. Auch als Verbindung zwischen Innenstadt und anderen Bereichen wird er stark genutzt. „Es ist eine super Abkürzungsstrecke, um mal im Grünen zu laufen.“ Mit Spielplatz und vielen offenen Flächen bietet der Park zudem Raum für Freizeitaktivitäten – vom Picknick bis zum Frisbee-Spiel.

KW17 Schoental19
KW17 Schoental4

Kunst und besondere Orte im Park

Neben Natur gibt es im Schöntalpark auch zahlreiche kulturelle Elemente. Besonders auffällig: das blaue Klavier, das ursprünglich als Kunstwerk gedacht war und heute als Treffpunkt dient. Hinzu kommen das Wahrzeichen, die Klosterruine aus dem 16. Jahrhundert, der Musikerplatz mit regelmäßigen kostenlosen Konzerten sowie weitere Veranstaltungsflächen - natürlich gehört der angrenzende Hofgarten mit seinem Kabarett, Biergarten und Restaurant dazu. Künftig soll im Park selbst noch ein neuer Begegnungsort entstehen – ein Projekt, das aktuell noch in der Planungsphase ist.

KW17 Schoental Kultur1
KW17 Schoental26
KW17 Schoental Kultur2

Der Park als Klima- und Rückzugsort

Gerade in Zeiten zunehmender Hitze gewinnt der Schöntalpark an Bedeutung für das Stadtklima. „Der Park ist eine Abkühlungszone“, sagt Rausch. Mit seinen rund zehn Hektar Grünfläche bietet er einen wichtigen Gegenpol zur bebauten Innenstadt. Für viele ist er ein Ort der Erholung – mitten im urbanen Raum. Neben der sichtbaren Schönheit gibt es auch Herausforderungen, die oft im Hintergrund bleiben. Dazu zählen vor allem Müll und gelegentliche Beschädigungen. „Sonntagmorgens laufen wir den kompletten Park ab und sammeln alles ein.“

KW17 Schoental21
KW17 Schoental22
KW17 Schoental23
KW17 Schoental11
KW17 Schoental16

Ein Ort mit Erinnerung und Zukunft

Der Schöntalpark steht nicht nur für Natur und Erholung, sondern künftig auch für Erinnerung. Zum ersten Jahrestag der Messerattacke hatte die Stadt angekündigt, im Park einen Gedenkort schaffen zu wollen. Auch das passt für viele zur Bedeutung dieses Ortes: nicht einen Park von einem Ereignis bestimmen zu lassen, sondern ihn bewusst als Ort des Lebens, der Begegnung und auch des Erinnerns weiterzuentwickeln. Zwischen blauem Klavier, Musikerplatz und künftig vielleicht auch einem Ort des stillen Gedenkens zeigt sich: Der Schöntalpark soll nicht nur schön bleiben, sondern für viele noch stärker ein Ort sein, den man sich nicht nehmen lässt.

KW17 Schoental Gedenken

Umfrage:

Diana Koch aus Aschaffenburg

„Ich verbinde mit dem Park meine Mittagspause, Ruhe, freche Eichhörnchen, einen wunderschönen Biergarten. Das Attentat fand am Geburtstag von meinem Sohn statt, das war schon ein ganz mulmiges Gefühl, der Tag wird immer so ein bisschen behaftet bleiben. Aber Angst habe ich nicht. Ich gehe immer noch mit einem guten Gewissen in den Park.“ 

KW19 Diana Koch aus Aschaffenburg

Renate und Helmut Heigenbrücken

„Wir kommen aus Heigenbrücken, und wenn wir hier sind, gehen wir immer in den Park. Egal zu welcher Jahreszeit, die Blumen, das Wasser, es passt alles zu uns. Nach dem Attentat sind wir trotzdem durchgelaufen, aber es war ein mulmiges Gefühl, aber die Zeit heilt es dann auch ein bisschen. Wir sind schon als Jugendliche hier her.“

KW19 Renate und Helmut Amrhain

Thomas Freihof aus Aschaffenburg-Schweinheim

„Ich finde den Park sehr schön, es ist schön grün, schön viel Wasser. Es ist immer eine gute Alternative zum Schönbusch und man ist halt direkt in der Stadt. Ich wohne hier auch schon seit 20 Jahren. Gemieden habe ich den Park nicht nach dem Attentat, es ist halt immer im Kopf. Die Zeit heilt auch alle Wunden. Ansonsten ist der Park noch das, was er früher auch war.“

KW19 Thomas Freihof aus Aschaffenburg Schweinheim

Hannelore Greß aus Hösbach

„Ich esse hier im Park immer gerne ein Eis und setze mich auf eine Bank. Kurz vor dem Attentat hatte ich meinen Freund verloren. Wir waren früher oft gemeinsam im Schöntal. Als dort noch überall Kuscheltiere lagen, habe ich irgendwann gedacht: Ich muss diesen Weg jetzt gehen. Genau an der Stelle, an der das passiert ist, haben wir früher immer gesessen. Dann bin ich mit einer Frau ins Gespräch gekommen, die gerade die verwelkten Blumen weggeräumt hat. Das war ein richtig schönes Gespräch.“

KW19 Hannelore Gress aus Hoesbach