Die Flammen haben uns alles genommen!

ASCHAFFENBURG/ALZENAU (mg/jw). Das E-Bike noch schnell über Nacht im Keller laden, das Smartphone liegt brav am Ladekabel auf dem Tisch und auch der Akku der Bohrmaschine hängt noch an irgendeiner Steckdose. Aus unserem Alltag sind sie nicht mehr wegzudenken. Sie stecken in unseren Fahrrädern, Smartphones Laptops, Werkzeugen und vielem mehr - die Lithium-Ionen-Akkus. Leistungsstark, kompakt und langlebig - aber auch höchst empfindlich.
Bei dem Großbrand in Alzenau vor über einer Woche sorgte genau so ein Akku am Ende für eine große Tragödie. Mehrere Familien haben ihr Zuhause verloren und sind jetzt auf Hilfe angewiesen. Wir haben mit Feuerwehr und Betroffenen gesprochen.
So kommt es zum Akku-Brand
Praktische Energiespeicher werden zur Brandgefahr. Doch wie kann es dazu kommen? Wir haben mit Frank Wissel Aschaffenburger Kreisbrandrat gesprochen: „Es ist ganz unterschiedlich. In der Regel sind es mechanische Beschädigungen, also ein Akku, der mal heruntergefallen ist oder eventuell eine Überhitzung beim Laden – das ist gerade bei älteren Akkus ein Thema. Auch bei einer Tiefenentladung kann so etwas passiert. Manchmal ist es auch das falsche Ladegerät. Auch die Überladung ist ein typischer Fehler - dass man tagelang oder vielleicht sogar wochenlang den Akku lädt.“ Das Tückische: Ein Akku, der z.B. durch einen Sturz beschädigt wurde, kann auch erst Tage oder Monate später das Brennen anfangen. Umso wichtiger ist es, beschädigte Energiespeicher direkt zu entsorgen. Wenn einmal ein Akku brennt, startet meist eine gefährliche Kettenreaktion, so Wissel: „Man spricht hier von einem sogenannten thermischen Durchgehen. Wenn eine dieser Zellen in einem Akku anfängt zu brennen, steckt sie die anderen an.“ Die durch chemische Reaktionen im Inneren der Batterie erzeugte Wärme verursacht noch mehr Wärme, was zu einem kontinuierlichen Temperaturanstieg führt - die Akkus können dadurch regelrecht explodieren.
Richtig reagieren im Ernstfall
Doch Wissel möchte auch entwarnen: „Wenn man überlegt, wie viele Millionen Akkus in Deutschland im Einsatz sind, fangen im Verhältnis wenige an zu brennen.“ Er empfiehlt Akkus, z.B. eines E-Bikes, wenn möglich eher im Keller als in der Wohnung zu lagern. Doch gibt es auch irgendwelche Hinweise, woran man erkennen kann, dass ein Akku beschädigt ist oder gefährlich werden könnte? „Wenn er sehr warm wird oder von außen beschädigt ist, sollte man auf jeden Fall aufmerksam sein.“ Wenn man doch merkt, dass die Batterie sehr heiß wird, komisch riecht oder sogar qualmt: „Dann raus und weg von dem Akku! Die Türen schließen und die Feuerwehr anrufen. Der Akku kann die Einzelteile um sich schießen und das ist lebensgefährlich.“
Flammen-Inferno in Alzenau
So ein Lithium-Ionen-Akku - gelagert in einem Anbau im Garten - war Auslöser für den großen Brand in Alzenau. Die Flammen griffen auf die Dachstühle der beiden Nachbarhäuser über. Bis in die Nacht war die Feuerwehr mit 150 Einsatzkräften im Einsatz. Viele Familien stehen jetzt vor dem Nichts. Angehörige haben bereits Spendenkonten unter gofundme.de (einfach Suchbegriff Alzenau eingeben) ins Leben gerufen, um den Opfern erste finanzielle Hilfe zukommen zu lassen. Katharina Radwanskis Familie ist von dem Brand betroffen. Sie wohnt gegenüber von ihrem Vater, dessen Haus den Flammen zu Opfer gefallen ist: „Alles hat gequalmt. Wenn man sein Elternhaus und sein Kinderzimmer brennen sieht, das ist schon ein Schock. Da war alles drin, was man jahrelang aufgebaut hat. Erinnerungen, Bilder von den Eltern, die Hochzeitsbilder - es ist alles kaputt.“ Mehmet Aktas gehört ebenfalls zu den Betroffenen des Großbrands und hat seine Wohnung verloren. Als der schockierende Anruf kam, war Mehmet Aktas als Busfahrer bei der Arbeit: „In diesem Moment wusste ich nicht mehr, wohin ich sollte oder wo ich schlafen würde. Von einem Augenblick auf den anderen hatte ich alles verloren. Zum Glück hat sich die Gemeinde sofort um mich gekümmert und mir noch in derselben Nacht ein Hotel organisiert und mir am nächsten Tag ein Zimmer in einer WG zur Verfügung gestellt. Dafür bin ich von Herzen dankbar.“
Verheerender Kellerbrand in Aschaffenburg
Auch in Aschaffenburg haben vor einem Monat nach einem Kellerbrand in einem Mehrfamilienhaus im Mitscherlichweg viele Familien ihr Zuhause verloren – hier lässt sich die genaue Brandursache aufgrund des sehr hohen Zerstörungsgrades nicht mehr benennen, so die Pressestelle des Polizeipräsidium Unterfranken. Besonders hart trifft es die Familie von Villissa Jackson, die mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern alles verloren hat. Als ihre Mutter Manuela Gore nach der Arbeit nach Hause kam, bot sich ihr ein erschütterndes Bild. Die gesamte Straße war von Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften abgesperrt. Sofort griff sie zum Telefon und rief ihre Tochter an, in der Hoffnung, dass ihre Familie in Sicherheit ist: „Zum Glück waren sie nicht dort. Das war erst einmal die größte Erleichterung.“ Rauch und giftige Brandgase haben das Gebäude so stark beschädigt, dass die Wohnungen derzeit unbewohnbar sind.
Der Schock nach dem Brand
Für Villissa Jackson war der erste Anblick des Brandes ein Schock. „Als ich die Flammen gesehen habe, war ich völlig neben der Spur.“ Neben Möbeln, Kleidung und Haushaltsgegenständen sind auch hier vor allem persönliche Erinnerungen unwiederbringlich verloren. „Als die Aufräumarbeiten begonnen und wir in die Container geschaut haben, lagen dort verbrannte Fahrräder, Kindersitze und Familienfotos. Das ist eine enorme psychische Belastung“, beschreibt ihre Mutter die Situation. Um ihrer Tochter und den weiteren Betroffenen beim Neuanfang zu helfen, hat auch sie einen Spendenaufruf auf gofundme.de gestartet. Die Idee sei aus dem Kreis der Nachbarn entstanden. Trotz der schwierigen Situation blickt die Familie dankbar auf die Unterstützung aus der Bevölkerung. „Jeder Euro hilft“, sagt Manuela Gore. „Wir wissen, dass die Zeiten für viele Menschen nicht einfach sind. Umso dankbarer sind wir für jede kleine Spende und dafür, dass die Menschen in unserer Gemeinschaft zusammenhalten.“
Als Gemeinschaft zusammenhalten
Wer helfen möchte, kann über GoFundMe spenden:
www.gofundme.com
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