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,,Wir sind die Schaltjahrkinder"

25.02.2024, 06:30 Uhr in PrimaSonntag
250224 Collage Wir sind die Schaltjahrkinder

BAYER. UNTERMAIN (kh/jm). Die Erde kreist in einem Jahr um die Sonne - genauer gesagt in 365 Tagen und fünf Stunden. Wenn man diesen viertel Tag nicht berücksichtigen würde, wären vielleicht irgendwann an Weihnachten 30 Grad und wir würden in den Pool springen können. Das hat Julius Caeser Jahr 45 v. Chr. verstanden und so im Julianischen Kalender das Schaltjahr eingeführt. Jetzt gibt es einmal alle vier Jahre einen Tag mehr - den 29. Februar.

Die Stadt Aschaffenburg verzeichnet laut Melderegister 40 Bürger, die am 29. Februar Geburtstag haben. Seit 2000 haben sogar acht Paare an diesem Tag geheiratet. Allerdings ist der Februar ohnehin keine Hochsaison für Hochzeiten. In der Stadt Miltenberg wurden von 1900 bis jetzt an dem besonderen Februartag ganze 18 Personen geboren und es fanden sechs Eheschließungen statt. Der bürokratische Umgang mit Personen, die in einem Schaltjahr geboren sind, erfolgt wie bei allen anderen Geburtsdaten gleichermaßen: „Unsere Programme sind soweit fortgeschritten, dass dies kein Problem darstellt. Der rechtliche Geburtstag von Personen, welche am 29. geboren wurden, ist in einem Jahr, welches kein Schaltjahr ist, der 1. März. Bisher gab es noch keinen Fall, bei dem ein Bürger auf Grund eines falsch angegebenen Datums (das ein Schaltjahr war) erneut in unserem Einwohnermeldeamt erscheinen musste“, schreibt uns die Stadt Miltenberg. Doch trotzdem schildert uns eine Leserin, die am 29. geboren wurde, dass sie schon oft Probleme hatte mit ihrem Geburtsdatum:

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Elke Reimer aus Rothenbuch ist jetzt „14 Jahre“ alt: „Mein Geburtstag wurde im Kindergarten nicht zugelassen!“

„Ich bin an diesem Tag geboren und das ist manchmal witzig, aber auch oft traurig gewesen. Mein Geburtstag im Kindergarten wurde von der Nonne nicht zugelassen und meine Mutter wurde mit dem Kuchen weggeschickt. Die ewigen Diskussionen: „Wann ist denn nun Geburtstag?“ bin ich leid! Wir Schaltjahrkinder sind am letzten Tag im Februar geboren. Nicht am 1. März! Das möchte ich ein für alle Mal feststellen, wir feiern nicht vor. Aber nichtsdestotrotz halte ich es seit Jahren so: Am 28. Februar ab 12 Uhr mittags bis zum 1. März bis 12 Uhr mittags habe ich außerhalb des Schaltjahres Geburtstag. Trotzdem gab es schon oft Probleme: Mit 18 habe ich meinen Führerschein nicht bekommen, weil der Beamte mir meinen Geburtstag nicht geglaubt hat und Reisepässe musste ich schon dreimal beantragen. Meine schönste Feier war mein 11. Geburtstag – meine Freunde überraschten mich mit einer Kindergeburtstagsfeier mit Piñata und Trampolin“, erzählt sie uns.

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KW08 29 Februar 2

Nicole Faßbender aus Aschaffenburg: „Meine Tochter Finja kam mit 380 Gramm am 29.2.2016 zur Welt.“

„Unser Wunderkind ist 16 Wochen zu früh mit einem Gewicht von 380Gramm(!) zur Welt gekommen. Es war eigentlich eine Zwillingsschwangerschaft, aber ihr Zwilling ist in der 8.Woche gestorben. In der 23.Woche habe ich dann eine Schwangerschaftsvergiftung bekommen, konnte Finja dann noch sechsWochen im Bauch halten, aber dann haben meine Leber und Nieren versagt und die Kleine musste frühzeitig geholt werden. Am 28. Februar um 23:58 Uhr wurde entschieden: Morgen holen wir ihr Kind! Ich habe dann gefragt, ob es nicht noch bis zum 1.März warten könnte. Da war die Antwort ganz klar: NEIN! Es ist einfach mein Glückstag geworden, ein Engel hat sie auf die Welt gebracht, es war ein Wunder. Wir wurden beim Anmelden gefragt, ob sie überhaupt überlebt hat, weil sie so leicht war bei der Geburt. Finja hatte auch keine Operation, aber sie hat mittlerweile Lungenhochdruck, kriegt Medikamente. Wir feiern ihren zweiten richtigen Geburtstag, aber sie sagt auch, dass sie acht Jahre alt ist. Sonst feiern wir immer am 1. März.. Ich will einfach ein Lob aussprechen. Ohne die Neo 1 Kinderklinik in Aschaffenburg hätte ich dieses Wunder nicht erlebt. “

KW08 29 Februar 7

Florian Hinz-Woldmann aus Collenberg wird stolze „9 Jahre“ alt: „Ich feiere zwei Mal!“

„Ich bin am 29. Februar 1988 geboren und werde jetzt stolze neun Jahre alt. Ich bin gerne Schalttagskind. Bei vielen Amtsgängen gibt´s manchmal Sprüche wie: Ach, auch endlich mal Geburtstag oder ganz selten kam mal die Aussage: Mensch, Sie werden ja früh sterben. Es ist schon was Besonderes. Ich habe mal gelesen, dass es deutschlandweit nur 50.000 Leute gibt, die mit mir Geburtstag haben. Meine Mutter hat sich früher immer den Spaß erlaubt, zu sagen, dass sie dann ja nur alle vier Jahre Geschenke kaufen muss. Jetzt vor ein paar Jahren habe ich erfahren, dass mein Geburtstag auch juristisch durchgetaktet ist. Im Paragraph 180 Absatz 3 BGB steht nämlich, dass ich in nicht Schaltjahren auch nur am 1. März feiern darf. Ich feiere dieses Jahr dann zweimal Geburtstag, am 29. und am 1. steigt die riesen Fete.“

KW08 29 Februar 9

Tanja und Leonhard Nüchtern aus Stockstadt: „Wir feiern unseren ‚ersten‘ Hochzeitstag“:

„Wir hatten uns 2019 auf Kreta verlobt. Natürlich macht man sich auch Gedanken, welcher Termin am besten passt. An Silvester hatten dann unsere Freunde die Idee: ‚Heiratet doch am 29. Februar.‘ Das Ganze war eigentlich nur ein Spaß, aber letztendlich haben wir dann wirklich an diesem Tag geheiratet. In den letzten Jahren haben wir immer am 28. an unseren Hochzeitstag gedacht. Deshalb freuen wir uns sehr auf den kommenden Donnerstag, wenn man so will unseren ersten Hochzeitstag. Dieses Mal wollen wir diesen Tag auch mit etwas Besonderem feiern, vielleicht mit einer Reise. Das steht aber noch nicht fest.“

KW08 29 Februar 8

Reinhard Zang aus Kirchzell wird „17“: „Ich darf begleitet Autofahren“

„Es war am Anfang von meinem Leben gar nicht so präsent in meinem Kopf, ich habe jedes Jahr am 28. Februar Geburtstag gefeiert. Alle vier Jahre haben mich dann die Leute zu was Besonderem gemacht, da habe ich auch schon Mal groß gefeiert. Wenn ich nach meinem Alter gefragt werde, erlaube ich mir auch mal einen Spaß und sage: Ich werde jetzt 17, darf also schon begleitet Autofahren. In der DDR früher hatten Schaltjahrkinder aber Probleme. Da wurde nämlich nicht alle 4 Jahre ein Tag dazu genommen, sodass diesen Menschen später Tage zur Rente gefehlt haben.“